48  rheJebDie  deutshe  Seele!  Schhrtche##e

in  dem  von  ftaatebürgerlichen  Rechten  und  Mitwirkungen
kaum  die  Nede  sein  kann.  Da  ich  nun  selbst  als  Mitglied
  einer  liberal-demokratischen  Partei  oft  genug  in
der  Lage  gewesen  bin,  gegen  älteste  Bestandteile  unseree
Verfassungswesens  zu  kämpfen,  wie  z.  B.  gegen  das
preußische  Wahlrecht,  so  würde  ich  der  letzte  sein,  zu
leugnen,  daß  wir  große  Veränderungen  in  unserem
Staatemechanismus  noch  durchführen  müssen.  Ich  bin
auch  der  Uberzeugung,  daß  diese  Veränderungen  durch
den  Krieg  außerordentlich  beschleunigt  werden  und  daß
Deutschland  hinter  dem  Kriege  weit  demokratischer
sein  wird,  ale  es  vorher  gewesen  ist.  Aber  indem  ich
dieses  offen  ausspreche,  kann  ich  die  unhistorische  Auffassung
  durchaus  nicht  gelten  lassen,  als  ob  unser  Staatewesen
  in  seiner  Gesamtheit  nur  eine  Ansammlung  rückständiger
  Formen  sei.  Es  würde  schon  an  sich  unglaubhaft
  erscheinen,  daß  ein  Volk  von  so  bedeutender  technischer
  und  organisatorischer  Fähigkeit,  wie  wir  es  sind,
gar  keine  modernen  staatstechnischen  Gedanken  zu  verwirklichen
  in  der  Lage  sei.  Der  Unterschied  zwischen
den  Westvölkern  und  uns  liegt  an  einer  anderen  Stelle
und  hängt  zusammen  mit  dem,  was  ich  vorbin  die  lange
Krankheit  des  dritten  Bruders  genannt  habe.  Deutschland
  hat  keine  große  Revolution  gehabt  im  Sinne  der
englischen  Revolution  in  den  Zeiten  Cromwells  oder
im  Sinne  der  französischen  Revolution  am  Ende  des
18.  Fahrhunderts.  Ich  will  nicht  sagen,  daß  ich  wünsche,
wir  hätten  die  Nevolution  gehabt,  denn  unsere  Zentralisation
  war  in  den  Zeiten  der  großen  Revolution
noch  nicht  vollzogen.  Die  Engländer  und  Franzosen