— 402 — waren der Kaiser Alexander, der König Friedrich Wilhelm und der Feldmarschall Fürst Schwarzenberg.“) Von der Annäherung dieses Zuges unterrichtet, eilte der Kronprinz mit unserm Könige die Treppe hinunter. Der Kronprinz unterhielt sich mit dem Kaiser längere Zeit, während unser König auf der Treppe stehen blieb. Nach einiger Zeit schwang sich der Kaiser wieder aufs Pferd und ritt weiter. Unser König versuchte umsonst, bei einem der Monarchen eine Unterredung zu erhalten. Niemand ließ den gebeugten Fürsten vor. „Sehr bald ging ihm die Meldung zu, er möchte sich einen Ort zum Aufenthalte wählen, wo er angenehmer, als in Leipzig, und sicherer, als in dem belagerten Dresden sein könne.“ Diesem Rathe folgte kurze Zeit nachher die Mittheilung, daß im Schlosse zu Berlin alles zu seiner Aufnahme bereit sei. Am 23. früh 4 Uhr rollte ein Wagen, umgeben von 120 Kosaken, an unsers Königs Hause vor. Der 63jährige königliche Greis wurde genöthigt einzusteigen, und begleitet von seiner Gemahlin und seiner Tochter, der Prinzessin Auguste, mußte er es über sich ergehen lassen, daß man ihn als Gefangenen von dannen führte. Seit langen Zeiten war der unglückliche Fürst das erste gekrönte Haupt, das in Kriegsgefangenschaft gerieth. e) Wichtigkeit der Leipziger Völkerschlacht. — Das Elend nach der Schlacht. Anstatt des Kriegsgetöses stieg nun Siegesjubel zum Himmel empor. Ein Kampf hatte sein Ende erreicht, wie ein größerer, ein folgenreicherer in Europa wohl noch nicht vorgekommen war; denn die Leipziger Schlacht war im eigentlichen Sinne des Wortes eine Völkerschlacht. Fünfmalhunderttausend Streiter „aus dem fernen Spanien bis zu den russischen Eisfeldern, vom blühenden Neapel bis zum kalten Schweden“ hatten hier einander gegenüber gestanden. Drei Kaiser, Preußens König und die größten Feldherren jener Zeit waren Zeuge dieses Riesenkampfes. In der That, es mußte sich um eine große, um eine heilige Sache handeln! Auf Leipzigs Ebenen sollte sich's entscheiden, ob fortan Frankreichs Kaiser Deutsch- lands Geschicke in seiner eisernen Hand behalten sollte, oder ob ihm dieses Scepter entwunden werden könnte. Obgleich das Uebergewicht auf Seite der Verbündeten zu finden war, so gehörte diese Arbeit doch zu einer Riesenaufgabe, und die Ansicht derer, die da meinen, es sei bei solch einer Uebermacht mit dem Ruhme der Sieger nicht weit her, ist eine irrige. Einen Gegner zu bekämpfen, dessen Feldherrntalent das aller übrigen Heerführer über- strahlte, war in der That keine Kleinigkeit. Ebenso irrig ist es andern- theils, von einer schmählichen Niederlage der Franzosen bei Leipzig *) Kaiser Franz traf erst nachmittags 3 Uhr in Leipzig ein.