2  1.  Militärische  Fragen.

Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  sich  auch  über  die  Manöver  ver—
breitet  in  einer  Weise,  die  mich  glauben  läßt,  daß  er  persönlich  wohl
kanm  je  an  einem  Manöver  teilgenommen  hat.

(Heiterkeit  rechts.)
Der  Zweck  der  Manöver  wie  aller  militärischen  Ubungen  kann  selbstverständlich
  immer  nur  die  kriegsmäßige  Ausbildung  sein.  Aber  in
dieser  Beziehung  haben  die  Manöver  einen  großen  Wert,  zur  Erziehnng
für  Marsch-  und  Gefechtsleistungen,  zur  Erziehung  der  Führer,  als
Vorbereitung  für  den  Ernstfall.  Daß  aber  im  Ernstfall  die  Reiterei,
auf  die  es  der  Abgeordnete  Bebel  besonders  abgesehen  hat,  eine  wichtige
Rolle  spielen  wird,  wie  sie  das  im  letzten  Kriege,  in  den  napoleonischen
Zeiten  und  unter  Friedrich  dem  Großen  getan  hat,  das  ist  die  Ansicht
vieler  einsichtiger  Militärs  in  Deutschland  und  außerhalb  unserer  Grenzen.
In  solchen  Fragen  kann  ich  nur  dem  Praktiker  folgen,  nicht  dem  Laien
und  auch  nicht  dem  beredtesten  Dilettanten.

Meine  Herren,  der  Herr  Abgeordnete  Schaedler  hat  hier  gestern
eine  Anzahl  von  Soldatenmißhandlungen,  von  schweren  Soldatenmißhandlungen
  zur  Sprache  gebracht.  Wir  alle  verurteilen  Roheit  und
Grausamkeit.  Brutalität  und  Ungerechtigkeit  empören  mich  gerade  so
sehr  wie  Sie,  und  als  Reichskanzler  füge  ich  hinzu,  daß  ich  in  voller
Ubereinstimmung  mit  den  Kriegsministern  aller  Bundesstaaten  es  als
die  heilige  Pflicht  der  Militärverwaltung  betrachte,  mit  allen  geeigneten
Mitteln  derartigen  Ausschreitungen  entgegenzutreten,  ihnen  vorzubengen,

sie  auszurotten.
(Bravok  rechts.)

Je  höher  uns  unser  Heer  steht,  um  so  mehr  müssen  wir  seinen  Schild
blank  halten,  um  so  energischer  müssen  wir  und  werden  wir  alles  dran
setzen,  um  begründeten  Beschwerden  abzuhelfen.

(Sehr  richtig!  rechts.)
Ich  bestreite  auch  keinem  Mitgliede  dieses  Hohen  Hauses  das  Recht,
militärische  Fragen  in  den  Kreis  seiner  Kritik  zu  ziehen.  Die  Kritik
muß  aber  sachlich  und  gerecht  sein,  sie  darf  nicht  blind  tadeln  und
blindlings  verwerfen,  sie  muß  in  militärischen  Fragen  auf  die  militärischen
Interessen  Rücksicht  nehmen  und  auf  die  nationalen  Gesichtspunkte,  sie
darf  weder  das  Selbstvertrauen  unseres  Volkes  erschüttern  noch  mit  dem
Ansehen,  das  wir  im  Ausland  genießen,  die  Aussichten  auf  weitere
Erhaltung  des  Friedens  untergraben.

(Sehr  gut!  rechts.)