4  1.  Militärische  Fragen.  —  Answärtige  Politik.

weiter,  daß,  wo  sich  solche  Erscheinungen  wieder  zeigen,  sie  mit  der
größten  Strenge  bestraft  werden  sollen.  Nach  meiner  Ansicht  können
derartige  Infamien  gar  nicht  streng  genug  bestraft  werden.

(Sehr  richtig!  rechts,  in  der  Mitte  und  bei  den  Nationalliberalen.)

Meine  Herren,  es  ist  auch  gestern  von  dem  Herrn  Abgeordneten
Schaedler  Bezug  genommen  worden  auf  die  Vorgänge  in  einer  unserer
Grenzgarnisonen,  in  Forbach.  Ich  stimme  dem  Herrn  Abgeordneten
Schaedler  darin  zu,  daß  die  rückhaltlose  Aufdeckung  solcher  Vorgänge
nützlich  ist,  nicht  nur,  weil  in  der  Offentlichkeit  ein  heilsames  Korrektio
liegt,  sondern  auch,  weil  es  ein  gutes  Zeichen  für  eine  Institution  ist,
wenn  nichts  verkleistert  und  vertuscht  wird,  und  das  ist  in  diesem  Falle
nicht  geschehen.  Ich  bin  weiter  der  Ansicht,  daß  derartige  Vorgänge
Fingerzeige  dafür  sein  sollen,  wo  die  bessernde  Hand  —  die  von  sachlichen
  Beweggründen  geleitete  und  so  sachlich  bessernde  Hand  —  der
Heeresverwaltung  einzugreifen  hat.  Kein  Heer  der  Welt,  das  deutsche
Heer  so  wenig  wie  irgend  ein  anderes  Heer,  ja  noch  weniger  als  irgend
ein  anderes  Heer,  soll  auf  seinen  Lorbeeren  ausruhen.  Mit  Recht  hat
der  Herr  Abgeordnete  Schaedler  aber  davor  gewarnt,  solche  Fälle  zu
verallgemeinern.  Ich  lege  hier  nicht  nur  vor  dem  Inland,  ich  lege  auch
vor  dem  Ausland  Verwahrung  dagegen  ein,  daß,  wie  dies  fortgesetzt
von  sozialdemokratischer  Seite  geschieht,  die  Sache  so  dargestellt  wird,
als  ob  solche  häßliche  Erscheinungen,  die  überall  vorkommen,  typisch
wären  für  deutsche  Verhältnisse,  als  ob  man  sie  unserem  Offizierkorps
als  charakteristische  Merkmale  anhängen  und  gewisse  Vorkommnisse  dahin
verdrehen  dürfe,  daß  nur  das  deutsche  Offizierkorps  oder  vorzugsweise
das  deutsche  Offizierkorps  solche  Erscheinungen  zeitige.  Das  ist  in  meinen
Augen  Heuchelei,  das  erkläre  ich  für  Pharisäertum.  Es  wird  auch
anderswo  gesündigt.  Ganz  ohne  Schuld  und  Fehle  scheint  ja  nicht
einmal  die  Sozialdemokratie  zu  sein.

(Heiterkeit.)

Ich  protestiere  also  dagegen,  daß  unser  Offizierkorps  in  dieser  Art
verantwortlich  gemacht  wird  für  einzelne  mißratene  Glieder.

Meine  Herren,  das  deutsche  Offizierkorps  ist  auch  heute  davon  durchdrungen,
  daß  kein  Stand  mehr  der  ehrenhaftesten  Gesinnung  —  ich
meine  hier  ehrenhaft  im  bürgerlichen  Sinne  des  Worts  —  und  einer
idealistischen  Weltauffassung  bedarf  als  derjenige  Stand,  dem  die  Verteidigung
  des  Vaterlandes  anvertraut  ist.  Unser  Offizierkorps  wird  sich
immer  gegenwärtig  halten,  daß  die  großen  Erfolge,  die  wir  vor  dreißig
Jahren  errungen  haben,  in  erster  Linie  zurückzuführen  waren  auf  die