Dezember  1903.  5

altpreußische  schlichte  und  einfache  Art,  auf  die  Tüchtigkeit  und  Anspruchslosigkeit,
  die  ihre  Pflicht  tat,  ohne  viel  Worte  zu  machen,  und  ohne
unnötiges  Sporenklirren,  auf  die  Eigenart,  für  die  Offiziere  wie  Göben,
wie  die  beiden  Alvensleben,  wie  der  Feldmarschall  Graf  Roon,  wie  unser
großer  Moltke  vorbildlich  waren.  Dann  wird  unser  Offizierkorps  auch
weiter  das  Lob  verdienen,  das  ihm  Fürst  Bismarck  erteilt  hat,  nämlich,
daß  kein  Land  der  Welt  uns  dieses  Offizierkorps  und  seine  Vorzüge
nachmachen  könne.

Meine  Herren,  ich  wende  mich  jetzt  zu  den  Ausführungen  des  Herrn
Abgeordneten  Bebel  über  die  auswärtige  Politik.  Was  unsere
ostasiatische  Politik  angeht,  so  hat  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  mir
zwei  Vorwürfe  gemacht,  die  in  seltsamem  Widerspruch  zu  einander  stehen.
Einerseits  hat  er  mir  vorgeworfen,  daß  unsere  ostasiatische  Politik  zu
aktiv  wäre,  phantastisch,  abenteuerlich;  andererseits  findet  er,  daß  ich
mich  in  der  Mandschurei  zu  passiv  verhielte.  Ich  muß  gestehen,  daß
ein  größerer  Mangel  an  Logik  mir  kaum  vorgekommen  ist.

(Heiterkeit  und  sehr  richtig!  rechts.)

Wenn  es  einen  Punkt  in  Ostasien,  und  ich  möchte  beinahe  sagen,  in  der
Welt  gibt,  wo  wir  nichts  zu  suchen  haben,  so  ist  es  die  Mandschurei.
(Sehr  richtig!  rechts.)

Wenn  also  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  für  die  Tschungusen  und
Mongolen,  die,  wie  ich  glaube,  die  Mandschurei  bewohnen,  einen  neuen
Krenzzug  inscenieren  will  als  neuer  Peter  von  Amiens,  so  lasse  ich  ihn
allein  vorgehen.  Ich  bleibe  zu  Haus.

(Heiterkeit  rechts  und  in  der  Mitte:  Zurufe  bei  den
Sozialdemokraten.)
Ich  habe  den  Herrn  Abgeordneten  Bebel  dahin  verstanden,  daß  er  findet,
ich  sei  in  Ostasien  im  allgemeinen  zu  unternehmungslustig,  ich  sollte  dagegen
  mehr  Feuer  hinter  meiner  Politik  in  der  Mandschurei  machen.
Das  lehne  ich  ab.#)

Nun  hat  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  weiter  gemeint,  unsere  ostasiatische
  Politik  würde  uns  Komplikationen  zuziehen.  Wie  das  möglich
sein  soll,  ist  mir  nicht  recht  klar.  Unsere  Politik  ist,  wie  überall,  so
auch  in  Ostasien  so  besonnen,  friedliebend  und  loyal,  daß  sie  gar  keinen

2)  Der  Abg.  Bebel  hatte  gesagt:  „Neben  England  und  Japan  sind  es  insbesondere
  auch  die  Vereinigten  Staaten,  die  mit  lebhaftem  Interesse  auf  die  Entwicklung
  in  China  blicken  und  keineswegs  geneigt  sind,  dem  Machtzuwachs  Rußlands
  im  äußersten  Osten  so  passiv  gegenüberzustehen,  wie  das  seitens  der  deutschen
Politik  bisher  geschieht.“