Dezember  1903.  11

Referendum  abgelehnt.  Das  ist  eine  schöne  Illustration  zu  den  Angriffen,
die  Herr  Bebel  soeben  gegen  die  bürgerlichen  Klassen  und  die  höheren
Stände  gerichtet  hat.
(Sehr  richtig!)
Herr  Bebel  hat  soeben  noch  mit  großer  Lebhaftigkeit  für  direkte  Steuern
plädiert.  Es  wird  Herrn  Bebel  nicht  unbekannt  sein,  daß  in  keinem
Lande  der  Welt  der  Widerstand  gegen  die  Einführung  direkter  Stenern,
und  namentlich  progressiver  direkter  Steuern,  wie  sie  Herrn  Bebel  als
Ideal  vorschweben,  stärker  ist  als  in  dem  republikanischen  Frankreich
(sehr  richtig!),
und  daran  sar  aunh  de  Milleraud  nichts  ändern  können.

Er  verglich  deeselben  weimal  mit  den  Zubänden  im  Wiansulidhen  Ron,
im  sinkenden  Rom.  Na,  meine  Herren,  da  muß  ich  wirklich  sagen:
ein  hinkenderer  Vergleich  ist  mir  lange  nicht  vorgekommen.  Ich  habe
mich  doch  auch  mit  Geschichte  beschäftigt,  mit  römischer  Geschichte,  ich
habe  Gibbon  gelesen,  Tacitus,  Friedländer.  Das  werden  Sie  wohl
auch  gelesen  haben.  Wo  m  aller  Welt  soll  Ahnlichkeit  bestehen  zwischen
den  damaligen  römischen  Zuständen  und  unseren  heutigen  Verhältnissen?
Ich  versichere  Ihnen,  daß  der  Senat  im  Rom  zur  Zeit  des  Kaisers
Tiberius  ganz  anders  aussah  als  dieses  Hohe  Haus.
(Stürmische  Heiterkeit.)

Und  wenn  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  unter  Kaiser  Caligula  eine
Rede  gehalten  hätte,  wie  er  sie  heute  hier  gehalten  hat,  so  wäre  es  ihm
schlecht  bekommen.

(Lebhafte  Zustimmung  und  große  Heiterkeit.)
Deutschland  ist  kein  dekadentes  Volk,  und  sein  Kaiser  ist  weder  ein
Caligula  noch  ein  Nero.

Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  auch  von  Byzantinismus
gesprochen.  Ich  gestehe,  es  hat  mich  gewundert,  daß  der  Herr  Abgeordnete
  Bebel  dies  Wort  in  den  Mund  genommen  hat.  Dem  Herrn
Abgeordneten  Bebel  wird  doch  wohl  nicht  unbekannt  sein,  daß  es  nicht
bloß  einen  Byzantinismus  nach  oben  gibt,  sondern  auch  einen  Byzantinismus
  nach  unten.

(Lebhafte  Zustimmung.  —  Zurufe  von  den  Sozialdemokraten.)
Es  aent  nicht  nur  Fürstenschranzen,  es  gibt  auch  Volksschranzen.
(Lebhafte  Rufe:  Sehr  gut!)
Das  sind  diejenigen,  die  immer  dem  untrüglichen  Massen-