Dezember  1903.  13

Fragen  Sie  die  Arzte,  die  Apotheker,  viele  Mitglieder  der  Krankenkassenverwaltungen!
  Und  wie,  meine  Herren,  ist  es  denn  mit  der
Meinnngsfreiheit  bei  Ihnen  bestellt?

(Sehr  gut!  und  große  Heiterkeit.)
Sie  reden  so  oft  von  dem  finstern  Mittelalter.  Es  hat  niemals  ein  Konzil
gegeben,  wo  eine  solche  Unduldsamkeit,  eine  solche  Engherzigkeit,  eine
solche  Ketzerrichterei  geherrscht  hätte  als  auf  Ihrem  letzten  Parteitage.

(Lebhafter  Beifall.  —  Widerspruch  bei  den  Sozialdemokraten.)
Keine  Bulle  ist  je  so  schroff  abgefaßt  worden  wie  damals  die  Erklärungen
  des  Abgeordneten  Bebel.

(Zuruf  von  den  Sozialdemokraten.)
Und  ich  möchte  noch  folgendes  hinzufügen.  Wie  war  es  denn  nach  den
Wahlen,  als  der  Abgeordnete  Bernstein  eine  gewisse  Sehnsucht  durchblicken
  ließ

(Zurufe  von  den  Sozialdemokraten)
—  doch,  meine  Herren,  Sehnsucht  durchblicken  ließ  nach  einem  sozialdemokratischen
  Vizepräsidenten.

(Große  Heiterkeit.)
Da  erhielt  der  Herr  Abgeordnete  Bernstein  von  dem  Herrn  Abgeordneten
  Bebel  einen  Rüffel  von  einer  Schärfe,  wie  ich  ihn  nicht  gegenüber
  dem  jüngsten  Beamten  in  einem  der  mir  unterstellten  Ressorts  zur
Anwendung  bringen  würde.
(Stürmische  Heiterkeit.)
Da  nehme  ich  alle  die  Herren  zu  Zengen,  die  da  hinter  mir  stehen.
(Ernente  stürmische  Heiterkeit.)
Herr  Bebel,  ja,  Sie,  Herr  Bebel,  der  Sie  heute  von  Freiheit  reden,
Sie  haben  in  Dresden  förmliche  Exkommmmikationen  ausgesprochen,
excommnnicatio  major  und  excommnunicatio  minor
(große  Heiterkeit);

Sie  haben  auch  einen  Index  aufgestellt,  in  welchen  Zeitungen  geschrieben
werden  soll  und  in  welchen  nicht  geschrieben  werden  darf.  Reden  Sie
uns  von  allem,  nur  nicht  von  Freiheitt!

(Lebhafte  Zustimmung.  —  Zurufe  von  den  Sozialdemokraten.)
Die  Freiheit,  die  Sie  meinen,  das  ist  die  Willkür  für  Sie,  der  Terrorismus
  für  andere.  1

(Sehr  richtig!)
Und  willst  du  nicht  mein  Bruder  sein,
So  schlag'  ich  dir  den  Schädel  ein.
(Stürmische  Heiterkeit.)