Dezember  1903.  19

losen  Gemeinsinns,  der  muß  doch  erst  anfangen,  selbst  duldsam  und  milde
und  gut  zu  sein.
(Sehr  richtig"  rechts,  in  der  Mitte  und  bei  den
Nationalliberalen.)
Statt  solcher  Harmonie  haben  Sie  uns  in  Dresden  eine  Kakophonie
aufgeführt,  wie  sie  noch  nie  dagewesen  ist.
(Heiterkeit.)

Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  im  Eingange  seiner  Ausführungen
sich  auch  wieder  gegen  den  Militarismus  gewendet.  Er  glaubt,  es  ginge
auch  ohne  Armee  oder  mit  einem  Milizheer.  Ich  möchte  nur  wissen,
was  er  täte,  wenn  wir  von  unsern  Nachbarn  angegriffen  würden.
Gegenüber  Zuständen,  wie  sie  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hervorrufen
will,  läge  die  Versuchung  zu  einem  solchen  Angriffe  sogar  sehr  nahe.

(Sehr  wahr!  rechts.)
Und  selbst  wenn  ein  solcher  Angriff  vermieden  würde,  so  beweist  doch
die  ganze  Geschichte,  daß  der  Beste  nicht  in  Frieden  leben  kann,  wenn
es  dem  bösen  Nachbar  nicht  gefällt.  Was  würden  Sie  nun  also  machen,
Herr  Bebel,  wenn  wir  ohne  eine  starke,  ohne  eine  wohldisziplinierte
Armee  von  unsern  Nachbarn  angegriffen  würden?  Und  wie  denken  Sie
sich  überhaupt  die  Durchführung  Ihrer  auswärtigen  Politik  ohne  eine
große  Armee?
(Sehr  richtig"  rechts.  Unruhe  bei  den  Sozialdemokraten

und  Zurufe.)
Um  die  auswärtige  Politik  des  Herrn  Abgeordneten  Bebel  und  der
Sozialdemokratie  zu  realisieren,  müßten  wir  eine  viel  stärkere  Armee  haben,
als  wir  sie  heute  besitzen.  Er  will  ja  überall  intervenieren:  in  Mazedonien,
in  Finnland,  in  Armenien,  in  Rumänien,  sogar  in  der  Mandschurei

(Heiterkeit),
überall,  wo  Menschen  leiden.  Das  ist  an  sich  ganz  schön,  das  macht
vielleicht  dem  menschlichen  Gefühl  Ehre,  das  ist  aber  nicht  durchzuführen
ohne  eine  ganz  ungewöhnlich  große  Armee.  Und  wie  denkt  sich  der
Herr  Abgeordnete  Bebel  die  künftige  Leitung  der  auswärtigen  Politik?
Wen  haben  Sie  beispielsweise  als  Minister  des  Außern  ins  Auge  gefaßt

(große  Heiterkeit),
als  Botschafter,  als  Gesandte?
(Heiterkeit  und  Zurufe.)

Ich  fürchte  nach  den  Auslassungen  des  Herrn  Abgeordneten  Bebel  auf
dem  Dresdener  Parteitag,  daß  es  Akademiker  nicht  sein  dürfen.

(Heiterkeit.)

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