22  2.  Replik  des  Reichskanzlers  gegen  Bebel.

Wir  werden  unser  Haus  zu  verteidigen  wissen  mit  voller  Festigkeit,
  aber  auch  mit  voller  Ruhe;  denn  wenn  wir  sehr  wohl  die  Gefahren
sehen,  welche  unsere  Traditionen  und  Zukunftshoffnungen,  die  Quellen
unserer  Macht  und  Wohlfahrt  bedrohen,  so  fürchten  wir  diese  Gefahren
doch  durchaus  nicht.  Und  alle  Versuche,  an  die  Stelle  der
organischen  und  gesetzmäßigen  und  verfassungsmäßigen  Fortentwicklung
  die  widerrechtliche  und  gewaltsame  Revolntion
zu  setzen,  werden  nach  meiner  Uberzeugung  scheitern  —
scheitern  an  dem  gesunden  Sinn  des  deutschen  Volkes,  das
sich  selbst  aufgeben  müßte,  wenn  es  Ihnen  folgen  würde.

(Andauernder  lebhafter  Beifall  rechts,  in  der  Mitte  und  bei  den
Nationalliberalen.  Zischen  bei  den  Sozialdemokraten.  —  Erneuter
lebhafter  Beifall.)

2.  Replik  des  Reichskanzlers  gegen  den  Abgeordneten  Bebel.
Sitzung  des  Reichstages  vom  14.  Dezember  1903.1

Am  vierten  Tage  der  ersten  Beratung  des  Reichshaushaltsetats  antwortete
der  Abgeordnete  Bebel  in  dreieinhalbstündiger  Rede  auf  die  vorstehenden  Ausführungen
  des  Reichskanzlers.  Dieser  erwiderte  mit  folgenden  Darlegungen.

Reichskanzler  Graf  von  Bülom:

Meine  Herren,  als  ich  diesen  Saal  betrat,  erklärte  der  Herr
Abgeordnete  Bebel,  daß  meine  neulichen  Ausführungen  der  Ausdruck
der  vollkommensten  Unfähigkeit  gewesen  wären.  Meine  Darlegungen
müssen  doch  einen  gewissen  Eindruck  auf  ihn  gemacht  haben

sehr  richtig!  rechts,),
daß  er  sich  während  3  ½  Stunden  über  dieselben  verbreitet  hat.  Je
aufgeregter  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  gesprochen  hat,  um  so  mehr
werde  ich  mich  eines  ruhigen  Tons  befleißigen.

Was  zunächst  die  Divergenzen  angeht,  die  zwischen  dem  Herrn
Abgeordneten  Bebel  und  mir  auf  militärischem  Gebiete  bestehen,
so  konstatiere  ich,  daß  ich  niemals  gesagt  habe,  daß  ich  auf  diesem
Gebiete  irgendwelche  Antorität  für  mich  in  Anspruch  nähme.  Darin
unterscheide  ich  mich  gerade  von  dem  Herrn  Abgeordneten  Bebel,

1)  Sten.  Ber.  d.  R.-T.,  11.  Leg.-Per.,  I.  Session  1903,04,  7.  Sitzung.