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Dezember  1903.  27

soll  ja  doch  von  der  freien  Wahl  der  Arbeitsstätte,  des  Berufs,  der
Art  und  Weise  des  Lebensgenusses  nicht  mehr  die  Rede  sein.  Jeder
soll  im  Zukunftsstaat  diejenige  Arbeit  verrichten  und  an  der  Stelle,
wo  sie  ihm  von  oben  vorgeschrieben  wird.  Und  da  sage  ich  —  und
da  denkt  wahrscheinlich  die  große  Mehrheit  des  Reichstags  mit  mir  —,
daß  dies  eben  eine  Zuchthausordnung  und  ein  Zuchthausstaat  ist.
(Sehr  richtig!  —  Widerspruch  bei  den  Sozialdemokraten.)

Ich  habe  weiter  hingewiesen  auf  den  großen  Raubzug,  den  die
Sozialdemokratie  projektiert,  indem  sie  die  Grundeigentümer,  die  Industriellen,
  die  Kapiralisten  ihres  Besitzes  entkleiden  will.  Ja,  entweder
hat  die  sozialdemokratische  Forderung  nach  wirtschaftlicher  Gleichheit
keinen  Sinn,  oder  sie  bedeutet  doch  so  viel,  daß  niemand  mehr  verdienen
und  besitzen  soll  als  der  andere,  ohne  Rücksicht  auf  die  persönliche
Leistung.  Ein  solcher  Gesellschaftszustand  ist  natürlich  nur  herbeizuführen
auf  dem  Wege  der  von  Ihnen  verlangten  und  gepriesenen  Vergesellschaftung
  der  Produktionsmittel  und  Verstaatlichung  des  Privateigentums
an  Kapital  jeder  Art.  Und  wenn  nicht  sogleich  wieder  neue  Ungleichheiten
  entstehen  sollen,  so  wird  der  sozialdemokratische  Staat  durch  fortgesetzte
  und  gleichmäßige  Verteilung  des  Arbeitsertrages  dafür  sorgen
müssen,  daß  nicht  wieder  neues  Privateigentum  entsteht.  Praktisch  gesprochen
  läuft  das  nach  meiner  Anschauung  auf  die  allergrößte  Ungerechtigkeit
  hinans,  weil  jede  besondere  Anerkennung  für  persönliches
Verdienst  auf  diese  Weise  befriedigt  wird.  Und  da  sagte  ich,  daß  ein
solcher  Zustand  nur  einzuführen  und  durchzuführen  wäre,  wenn  die
Menschen,  die  nun  einmal  von  persönlichen  Interessen  und  Begierden
erfüllte  Wesen  sind,  in  Engel  verwandelt  würden,  zu  denen  Herr  Bebel
sich  nicht  rechnet,  was  ich  begreife.

(Große  Heiterkeit.)

Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  auch  gesprochen  von  der
Stellung  der  Beamten  zur  Sozialdemokratie.  Ich  nehme
keinen  Anstand,  zu  erklären,  daß  ein  Beamter  nicht  Sozialdemokrat
  sein  kann.

(Sehr  richtig!  rechts.)
Jeder  Beamte  hat  seinem  Monarchen  den  Eid  der  Treue  geleistet.  Die
sozialdemokratische  Partei  bekennt  sich  trotz  der  heutigen  ziemlich  gewundenen
  Erklärung  des  Herrn  Abgeordneten  Bebel  über  diesen  Punkt
zum  Republikanismus.  Ein  Beamter  also,  der  für  die  Sozialdemokratie
wirkt,  der  sich  zur  Sozialdemokratie  rechnet,  bricht  seinen  Eid

(sehr  richtig!  rechts);