32  Maßregeln  gegen  die  Sozialdemokratie.

nach  Möglichkeit  zu  vermeiden,  was  Unzufriedenheit  schafft,  die  Ursachen

begründeter  Unzufriedenheit  tunlichst  aus  dem  Wege  zu  räumen,  mit

anderen  Worten  in  gemeinsamer  Arbeit  zwischen  den  verbündeten  Re—

gierungen  und  dem  Reichstage  unser  Haus  so  wohnlich  einzurichten,

  daß  sich  alle  in  demselben  so  wohl  fühlen,  als  das  bei

unserem  zur  Kritik  geneigten  Nationalcharakter  möglich  ist.
(Bravo!l)

Meine  Herren,  der  Herr  Abgeordnete  Graf  Stirum  hat  eine
Parallele  gezogen  zwischen  unseren  gegenwärtigen  Zuständen  und  den
Zuständen  vor  der  französischen  Revolution.  Persönlich  fühle  ich  mich  von
der  Sorglosigkeit  der  damals  in  Frankreich  regierenden  Kreise  vollkommen
  frei.  Gewiß,  die  regierenden  französischen  Kreise  jener  Tage
glaubten  nicht,  daß  die  Revolution  kommen  würde,  und  doch  kam  sie
rasch  und  blutig.  Aber  wo  sind  denn  jetzt  die  drückenden  Vorrechte
von  Adel  und  Klerus?  Wo  die  schwelgenden  Höfe?  Wo  ist  der  roi,
dui  s'amnse?  Wo  sind  die  Zehnten  und  Fronden,  unter  denen  damals
in  Frankreich  Bauer  und  Bürger  litten?  Wir  haben  jetzt  dank  unserem
alten  großen  Kaiser  und  seinem  großen  Kanzler  ein  soziales  Königtum,
wir  haben  soziale  Gesetzgebungen  an  allen  Ecken  und  Enden.  Wir
haben  höchstens  Meinungsverschiedenheiten  über  das  Tempo  dieser  Gesetzgebung,
  aber  wir  haben  keine  ernstlichen  Differenzen  über  die  Notwendigkeit
  der  sozialen  Reformarbeit.  Die  deutschen  Regierungen,  die  gegenüber
  dem  Arbeiterstande  ein  so  gutes  Gewissen  haben  wie  nur  irgend
eine  Regierung  der  Welt,  werden  fortfahren  in  ihrem  Bestreben,  die
Entwickelung  unserer  inneren  Verhältnisse  in  ruhigen,  friedlichen  und  in
gesetzlichen  Bahnen  zu  halten,  soweit  das  der  Größenwahn  der  sozialdemokratischen
  Führer,  ihr  Schüren  des  Klassenkampfes  und  ihr  terroristisches
  Gebaren  zuläßt.  Und  ich  möchte  wünschen,  daß  die  Debatten
dieser  Tage  nicht  nur  das  Vertrauen  der  bürgerlichen  Klassen  zur  Regierung
  bei  der  Abwehr  des  sozialdemokratischen  Terrorismus,  sondern
auch  das  Selbstvertrauen  der  bürgerlichen  Kreise,  der  bürgerlichen  Gesellschaft
  kräftigen  mögen,  die  sehr  viel  stärker  ist,  als  sie  selbst  es  glaubt!

(Lebhaftes  Bravo.)