Jannar  1901.  33

4.  Der  Einzug  in  das  uene  Herrenhaus.

Sitzung  des  Herrenhauses  vom  16.  Jannar  1904.1)

Am  16.  Jannar  hielt  das  preußische  Herrenhaus  in  seinem  nen  errichteten
Heim  die  erste  Sitzung  ab.  Den  Vorsitz  führte  an  Stelle  des  erkrankten  Präsidenten
  Fürsten  zu  Wied  der  erste  Vizepräsident  Freiherr  von  Manteuffel.
Nach  dessen  Eröffnungsansprache,  die  in  ein  dreimaliges  Hoch  auf  den  Kaiser  und
König  ausklang,  ergriff  der  Ministerpräsident  das  Wort.

Präsident  des  Staatsministeriums,  Reichskanzler  Graf  von  Bülow:

Im  Anschluß  an  die  Begrüßungsworte  Ihres  verehrten  Herrn
Vizepräsidenten  möchte  ich  meinerseits  zurückgreifen  auf  die  Glückwünsche,
welche  vor  fünf  Jahren  bei  der  Eröffnung  des  neu  erbauten  Abgeordnetenhauses
  mein  Herr  Amtsvorgänger  im  Namen  des  Königlichen  Staatsministeriums
  dem  Landtag  aussprach.  Fürst  zu  Hohenlohe  wünschte
damals  dem  Hause  der  Abgeordneten  als  Begleiter  in  seine  neue  Arbeitsstätte
  den  Geist  der  Treue  und  der  opferwilligen  Vaterlandsliebe,  der
während  eines  halben  Jahrhunderts  über  der  alten  Arbeitsstätte  gewaltet
  habe.

Heute,  wo  wir  das  neue  Herrenhaus  einweihen,  sei  es  mir  gestattet,
  anzuknüpfen  an  eine  Erwartung,  die  ich  aussprach,  als  ich  zum
ersten  Male  die  Ehre  hatte,  als  Ministerpräsident  vor  Ihnen  zu  erscheinen,?)
  an  die  Uberzeugung,  daß  diese  Versammlung,  in  der  so
viel  Erfahrung  und  Einsicht  vertreten  sind,  mit  stets  bewährtem  Patriotismus
  und  in  immer  gleicher  Hingebung  für  Seine  Majestät  den  Kaiser
und  König,  jener  Hingebung,  der  Ihr  Präsident  soeben  beredten  Ausdruck
  gegeben  hat,  die  Königliche  Staatsregierung  unterstützen  werde
in  ihrem  Streben,  gemeinsam  mit  der  verfassungsmäßigen  Landesvertretung
  das  Wohl  der  Preußischen  Monarchie  zu  fördern.  Lassen  Sie
mich  diese  Zuversicht  heute  erneuern.  Der  größte  Staatsmann,  den
Preußen  und  den  Deutschland  hervorgebracht  hat,  Fürst  Bismarck,  hat
einmal  gesagt,s)  daß  das  Herrenhaus  der  Träger  sein  solle  einer
Politik,  die  nicht  mit  Leichtigkeit  den  Tagesströmungen  folgt,  sondern
die  den  Regulator  und  den  Ballast  des  Schiffes  darstellt.  Möge  dieses
noblesse  oblige  auch  in  diesem  neuen  Bau  die  Signatur  Ihrer  Beratungen
  und  Beschlüsse  bilden.  Möge  dieses  Hohe  Haus  immer  den

1)  Sten.  Ber.  der  Verhandl.  d.  Herrenhauses  1904,  1.  Sitzung.

2)  Vgl.  Bd.  I,  S.  215  ff.

3)  Am  24.  Jannar  1865.
Penzler,  Fürst  Bülows  Reden  2c.  lI.

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