Januar  1904.  35

nach  den  Stationen  geflüchteten  Weißen,  die  jetzt  einen  Verzweiflungskampf
  gegen  eine  Ubermacht  von  Eingeborenen  führen.  Es  läßt  sich
heute  noch  nicht  übersehen,  wie  viele  von  den  in  weiten  Entfernungen
über  das  Land  zerstreut  wohnenden  Farmerfamilien  nicht  mehr  rechtzeitig
  die  schützenden  Mauern  der  Stationen  zu  erreichen  vermochten.
Der  Aufstand  ist  in  einem  Zeitpunkt  losgebrochen,  wo  sich  der  Gouverneur
mit  dem  Gros  der  Schutztruppe  infolge  der  Erhebung  der  Bondelzwarts
im  Süden  des  Schutzgebietes  befindet,  mehr  als  20  Tagemärsche  vom
Schauplatz  der  gegenwärtigen  Katastrophe  entfernt.  Daher  sind  die
Zufluchtsorte  in  der  Mitte  der  Kolonie  nur  mit  schwachen,  über  ein
weites  Gebiet  zersplitterten  Streitkräften  versehen.  Okahandja,  Otjimbingwe,
  Karibib  sind  in  der  äußersten  Bedrängnis.  Windhoek  selbst,
die  Hauptstadt  des  Schutzgebiets,  ist  ernstlich  bedroht.

Gleich  die  ersten  Nachrichten  zeigten  die  Notwendigkeit  einer  ansehnlichen
  Verstärkung  der  Schutztruppe.  Infolgedessen  wurde  die  Entsendung
  von  500  Mann  mit  6  Maschinengewehren  und  6  Maschinenkanonen
  vorbereitet.  Ihre  Zustimmung  zu  dieser  Maßnahme  wird  im
Wege  von  Vorlagen  erbeten,  die  ich  nach  bereits  erfolgter  Genehmigung
durch  den  Bundesrat  Ihrem  Herrn  Präsidenten  hier  übergebe,  und  die
einen  Nachtragsetat  für  1903  und  einen  Ergänzungsetat  für  1904  umfassen.
  Die  erwähnten  Truppen  können  jedoch  nicht  vor  dem  30.  Januar
und  6.  Februar  die  Ausreise  antreten.  Die  am  Sonnabend  eingetroffenen
Nachrichten  indessen,  die  das  Schlimmste  befürchten  lassen,  machen
sofortige  weitere  Maßnahmen  notwendig.  Es  sind  deshalb  noch  gestern
alle  Vorbereitungen  getroffen  worden,  um  ein  zusammengestelltes  Bataillon
Marineinfanterie  in  der  Stärke  von  etwa  500  Mann  nebst  einigen
Geschützen  und  einem  Detachement  Eisenbahnpioniere  mit  der  größten
Beschleunigung  nach  Swakopmund  zu  instradieren.  Diese  Truppen
werden  am  Donnerstag2:)  Nachmittag  in  See  gehen  können  auf  einem
Dampfer  des  Norddeutschen  Lloyd,  dessen  Eintreffen  in  Swakopmund
am  8.  Februar  erwartet  werden  darf.

Für  die  Kosten,  die  durch  die  Aussendung  der  Marineinfanterie
und  des  Eisenbahndetachements  entstehen,  und  deren  Höhe  sich  heute
noch  nicht  feststellen  läßt,  werde  ich  zur  gegebenen  Zeit  die  nachträgliche
Genehmigung  des  Hohen  Hauses  nachsuchen.

Bis  zum  Eintreffen  der  Marineinfanterie  wird  ein  jetzt  unterwegs
befindlicher  Ablösungstransport  von  230  Mann,  der  am  3.  Februar  in

2)  Am  21.  Jannar.