Januar  1904.  37

Ich  möchte  hinzufügen,  daß  das  Interesse  Seiner  Majestät  für  die
Hebung  der  Landespferdezucht  nicht  zurückzuführen  ist  auf  irgendwelche
persönliche  Liebhaberei,  sondern  auf  richtige  Einsicht  in  den  Wert  dieses
wichtigen  Zweiges  der  Landwirtschaft,  wie  auf  Rücksichten  auf  die  Erhaltung
  unserer  Wehrkraft.

Ich  hatte  gehofft,  daß  der  Herr  Abgeordnete  Richter  mir  in  den
wasserwirtschaftlichen  Fragen  Schonzeit  gewähren  würde,  bis  die
betreffenden  Gesetzentwürfe  diesem  Hohen  Hause  vorliegen.  Nachdem
er  aber  schon  heute  über  mich  hergefallen  ist,  wie  Zieten  aus  dem  Busch

(Heiterkeit),
muß  ich  mich  sofort  gegen  seine  Angriffe  zur  Wehre  setzen.

Der  Herr  Abgeordnete  Richter  hat  der  Königlichen  Staatsregierung
und  mir  Inkonsequenz  vorgeworfen.  Er  hat  gemeint,  daß  die  Königliche
  Staatsregierung  ursprünglich  nur  den  Bau  des  Kanals  vom  Rhein
bis  zur  Elbe  ins  Auge  gefaßt  hätte;  er  hat  weiter  gesagt,  daß  bei  der
großen  wasserwirtschaftlichen  Vorlage  vom  Jahre  1900  der  Mittellandkanal
  noch  immer  das  Hauptstück  gewesen  sei;  er  hat  endlich  gemeint,
daß  die  jetzt  in  der  Thronrede  angekündigten  Vorlagen  nur  dem  Osten
nützten,  und  daß  der  Westen  dabei  zu  kurz  komme.  Der  Herr  Abgeordnete
  Richter  hat  auch  Bezug  genommen  auf  die  Erklärung,  die  ich
—  es  war  ja  wohl  am  3.  Mai  1901  —  hier  abgegeben  habe,  daß  die
damalige  wasserwirtschaftliche  Vorlage  ein  zusammenhängendes  Ganzer)
bilde,  aus  dem  einzelne  Bestandteile  nicht  ausgeschaltet  werden  könnten.
Daraus  entnimmt  der  Herr  Abgeordnete  Richter  gegen  mich  den  Vorwurf
  der  Inkonsequenz.  Das  gehört  wohl  zu  den  ungerechtesten  Vorwürfen,
  die  mir  in  meinem  politischen  Leben  noch  gemacht  worden  sind.

(Widerspruch  und  Lachen  bei  den  Freisinnigen.)

Ich  habe,  seitdem  ich  Ministerpräsident  bin,  stets  betont,  daß  die  Behandlung
  der  wasserwirtschaftlichen  Fragen  ausschließlich  vom  wirtschaftlichen
  Standpunkte  zu  erfolgen  habe,  und  daß  dabei  in  erster  Linie
praktische  Gesichtspunkte  maßgebend  sein  müssen.  Ich  bin  also  in  der
Behandlung  dieser  Fragen  durchaus  konsequent  geblieben.  Im  übrigen
aber,  meine  Herren,  muß  ich  es  ablehnen,  ein  Konsequenzenmacher  zu
sein.  Die  starre  Konsequenz,  der  atror  animus  Catonis.  daß  man  im
Jahre  1904  voll  und  unentwegt  dasselbe  sagt,  was  man  im  Jahre

2)  Vgl.  Bd.  I,  S.  221.