44  6.  Ostmarkenpolitik.

Ich  berufe  mich  in  dieser  Beziehung  auf  das  Entstehen  der  Gornofslazakpartei;
  ich  berufe  mich  auf  das  Entstehen  einer  polnisch-sozialdemakratischen,
durch  die  „Gazeta  Robotnicka“  vertretene  Partei.  Ich  berufe  mich  auch
auf  die  immer  unverhüllteren  Bekenntnisse  der  früher  nicht  so  intransigenten
  Katolikpartei,  daß  auch  ihre  Ziele  großpolnische  wären.  Die
großpolnische  Agitation  in  Oberschlesien  verfolgt  zweifellos  die  Absicht,
die  Bevölkerung  von  Oberschlesien  in  wirtschaftlicher,  sozialer,  politischer
Hinsicht  vom  Deutschtum  abzulösen  und  dem  Großpolentum  zuzuführen.
Dazu  dienen  Presse,  Vereine,  Versammlungen,  Volksbibliotheken  auf
der  einen  Seite,  auf  der  anderen  Konsumvereine,  Volksbanken,  insbesondere
  die  Beuthener  Parzellierungsbank.  Die  Anstrengungen  der
großpolnischen  Agitation  in  Oberschlesien  entsprechen  dem  Interesse,
welches  diese  Agitation  daran  hat,  mit  Schlesien  und  durch  Oberschlesien
eine  Brücke  von  Krakau  nach  Posen  zu  schlagen.  Um  so  größeren
Wert  müssen  wir  darauf  legen,  Oberschlesien  preußisch  und  deutsch  zu
erhalten.  Oberschlesien  ist  das  Land  des  Eisens,  das  Land  der  schwarzen
Diamanten,  das  Land  des  Massenaufgebotes.  Wir  brauchen  die  Bodenschätze
  von  Oberschlesien  gerade  so  notwendig  im  Frieden  für  unsere
wirtschaftliche  Entwicklung,  wie  wir  sie  im  Falle  auswärtiger  Verwickelungen
  gebrauchen  würden  zu  unserer  Verteidigung.  Die  stetige  und
gehässige  Hervorkehrung  des  Gegensatzes  zwischen  der  polnischen  Arbeiterschaft
  in  Oberschlesien  und  den  dortigen  deutschen  Großgrundbesitzern
und  Unternehmern  bedeutet  schon  im  Frieden  eine  ernste  Gefahr.
(Sehr  richtig!)

Im  Falle  von  Verwickelungen  würde  die  großpolnische  Durchsetzung  der
Massen  in  dem  dicht  bevölkerten  und  hart  an  der  Landesgrenze  gelegenen
Schlesien  noch  ernstere  Gefahren  in  sich  bergen.  Ein  Blick  auf  die
Karte  beweist,  daß  es  kaum  einen  Punkt  der  Monarchie  gibt,
wo  die  Erhaltung  deutscher  Sitte  und  Sprache,  preußischer
und  deutscher  Gesinnung  so  notwendig  ist  als  gerade  in
Oberschlesien.

Wenn  ich  also  hervorhebe,  daß  die  großpolnische  Gefahr  in  Oberschlesien
  eine  sehr  ernste  ist,  so  liegen  doch  nach  meiner  Ansicht  die
Verhältnisse  in  Oberschlesien  in  vieler  Beziehung  anders  als  in  Posen
und  Westpreußen.

(Sehr  richtig!)
Das  hängt  schon  mit  historischen  Gründen  zusammen.  Während  Westpreußen
  und  Posen  bis  zu  ihrer  Einverleibung  zu  Preußen  zum  polnischen
  Reiche  gehörten,  die  politischen  Schicksale  von  Polen  teilten,  hat