Februar  1904.  47

Reichskanzler  Graf  von  Bülow:
Meine  Herren,  vor  zwei  Stunden  wurde  mir  telephoniert,  daß  der

Herr  Abgeordnete  Bebel  eine  donnernde  Rede  halten  würde.

Geiterkeit.)
Daraufhin  habe  ich  das  Krankenzimmer  verlassen,  an  das  ich  durch
eine  starke  Grippe  gefesselt  war.  Ich  bitte  um  Nachsicht,  wenn  ich  mit
belegter  Stimme  spreche;  ich  wollte  aber  nicht  auf  das  Vergnügen  ver—
zichten,  dem  Herrn  Abgeordneten  Bebel  sogleich  zu  antworten.  Ich
freue  mich  übrigens,  daß  ich  hier  Gelegenheit  habe,  mich  über  eine
Frage  auszusprechen,  welche  die  gesetzgebenden  Körperschaften  im  Reiche
und  in  Preußen  in  der  letzten  Zeit  wiederholt  beschäftigt  hat.  Die
preußischen  Herren  Ressortminister  und  der  Herr  Staatssekretär  des
Außeren  haben  Ihnen  die  Gründe  auseinandergesetzt,  aus  denen  wir
zur  Uberwachung  russischer  Anarchisten  einen  russischen  Agenten  in
Berlin  zugelassen  haben.  Ich  glaube,  daß  alle  Regierungen  die
Pflicht  haben,  sich  gegenüber  der  anarchistischen  Propaganda
gegenseitig  zu  unterstützen.

(Sehr  richtig!  rechts.)

Ich  glaube  weiter,  daß  dem  internationalen  Charakter  der  vom  Anarchismus
  drohenden  Gefahr  von  den  Regierungen  eine  internationale
Gemeinsamkeit  der  Abwehr  entgegengesetzt  werden  muß

(sehr  richtig!),
und  ich  glaube  endlich,  daß  die  moralische  Pest  des  Anarchismus  geradeso
  bekämpft  werden  muß  wie  jede  andere  Seuche.

(Sehr  richtig!)
Während  des  letzten  Jahrzehnts  sind  der  Präsident  der  französischen
Republik  Carnot,  der  Präsident  der  Vereinigten  Staaten  Mac  Kinley,
der  König  Humbert  von  Italien,  die  Kaiserin  Elisabeth  von  Osterreich,
der  spanische  Ministerpräsident  Canovas  del  Castillo,  der  russische
Minister  des  Innern  Sjipjägin  dem  Messer  oder  dem  Revolver  elender
Mordbuben  zum  Opfer  gefallen.

(Hört!  hört!)
Und  da  sollten  wir  uns  schenen,  internationale  Maßregeln  zu  ergreifen,
um  derartigen  Greneln  vorzubeugen?  Da  sollten  wir  ängstlich  davor
zurückscheuen,  uns  zu  verteidigen  gegen  Leute,  die  ihrerseits  keinerlei
Rücksicht  kennen,  die  Schrecken  und  Mord  als  ihren  obersten  Grundsatz

anerkennen?  *
(Sehr  richtig!)