50  7.  Russische  Anarchisten.

Endlich  finden  sich  in  einem  vom  Fürsten  von  Bismarck  selbst  unterzeichneten
  Erlasse  an  unseren  damaligen  Geschäftsträger  in  Petersburg
folgende  Sätze:

Das  eingeschlagene  Verfahren  steht  mit  meinen  Intentionen  in

direktem  Widerspruch,  und  ich  bedaure  lebhaft,  daß  .  .  .  der

russischen  Regierung  begründeter  Anlaß  gegebenen  worden  ist,
an  der  Aufrichtigkeit  der  ihr  früher  erteilten  Zusage  zu  zweifeln.

Deutsch,  der  von  der  russischen  Regierung  als  Nihilist  bezeichnet
wurde,  war  auf  deren  Antrag  von  der  badischen  Regierung  ausgeliefert
und  später  vom  Militärbezirksgericht  in  Odessa  zu  Zwangsarbeit  verurteilt
  worden.

Zur  Charakteristik  des  Standpunkts  des  ersten  Reichskanzlers  dienen
folgende  Stellen  aus  den  den  Fall  Deutsch  betreffenden  Akten  des  Auswärtigen
  Amts.

In  einem  Erlaß  an  den  preußischen  Gesandten  in  Darmstadt  sagt
im  Auftrage  des  Fürsten  Bismarck  der  Staatssekretär  Graf  Hatzfeldt:

Ich  bemerke  ergebenst,  daß  es  für  unsere  politischen  Beziehungen
zu  Rußland  nützlich  sein  würde,  wenn  in  diesem  Falle  dem  berechtigten
  Wunsche  der  russischen  Regierung,  eines  von  ihr  als
gefährlich  und  verwegen  bezeichneten,  aus  russischen  Gefängnissen
flüchtig  gewordenen  russischen  Revolutionärs  habhaft  zu  werden,
unsererseits  entgegengekommen  werden  könnte.

Ein  Schreiben  desselben  Staatssekretärs  an  das  Großherzoglich
Badische  Staatsministerium  enthält  folgenden  Passus:

Da  der  Deutsch  in  Rußland  wegen  gemeiner  Verbrechen  verfolgt

wird  und  überdies  aus  politischen  Gründen  Wert  darauf  zu  legen

ist,  in  diesem  Falle  den  Wünschen  der  russischen  Regierung  gerecht
zu  werden,  glaube  ich  mich  der  Hoffnung  hingeben  zu  dürfen,  daß
das  Großherzogliche  Staatsministerium  bereit  sein  werde,  seine

Mitwirkung  dazu  eintreten  zu  lassen,  um  den  Verhafteten  in  die

Hände  der  russischen  Behörde  zu  liefern.

In  einem  über  diese  Angelegenheit  Seiner  Majestät  dem  Kaiser
erstatteten  Immediatbericht  sagt  Fürst  Bismarck:

Für  den  Fall  jedoch,  daß  sich  diese  Beibringung
—  nänmlich  der  zur  Auslieferung  erforderlichen  Beweisstücke  —

verzögern  sollte,  wünscht  sie,

—  nänllich  die  russische  Regierung  —