März  1904.  63

Grund  halrn,  sich  *  iusns  aund  Freiheiten  zu  ersteuen,  die  sie  bei
uns  genießen.
(Sehr  richtig!  rechts.)

Meine  Herren,  es  gibt  Punkte,  über  die  wir  uns  grundsätzlich  nie
werden  verständigen  können.  Sie  haben  Wünsche,  die  wir  nie  werden
erfüllen  können,  Sie  erheben  Beschwerden,  die  wir  nie  ganz  werden
abstellen  können.  —  Das  liegt  im  Wesen  der  Dinge.  Herr  von  Heydebrand
  hat  aber  mit  Recht  gesagt,  daß  das  Grenzgebiet  zwischen  Staat
und  Kirche  ein  sehr  heikles  Gebiet  ist,  durch  dessen  Berührung  leicht
schwere  Beunruhigung  entstehen  kann.  Wir  müssen  von  beiden  Seiten
vermeiden,  ohne  Not  an  dem  modus  vivendi  —  rühren,  len  im  Jahre
des  verewigten  Papstes  Leo  XIII.  gefunden  hat.  Das  aber  ekläre  ich
mit  aller  Bestimmtheit,  daß  die  tatsächliche  Handhabung  der  Gesetze  die
katholische  Kirche  und  unsere  katholischen  Mitbürger  befriedigen  muß.
Und  das  erkläre  ich  mit  ebenso  großer  Bestimmtheit,  daß  die  Königliche
  Staatsregierung  von  dem  aufrichtigen  Wunsche  beseelt  ist,  den
Wünschen  der  katholischen  Bevölkerung  so  weit  Rechnung  zu  tragen,
als  dies  in  einem  paritätischen  Staate  möglich  ist,  so  weit  —  aber
auch  nicht  weiter!  —  Rechnung  zu  tragen,  als  dies  zulässig  ist  in
einem  paritätischen  Staate,  ohne  den  Rechten  des  Staats  etwas  zu
vergeben  oder  berechtigte  Empfindungen  der  anderen  Konfessionen  zu
verletzen.

Meine  Herren,  wenn  Sie  die  Lage  der  katholischen  Kirche  in
Deutschland  mit  ihrer  Lage  in  manchen  anderen  Ländern  vergleichen

(sehr  richtig!  rechts)
—  ich  nenne  absichtlich  keine  Namen,  aber  auch  in  katholischen  Ländern  —,
so  glaube  ich,  Sie  haben  allen  Grund,  mit  dieser  Lage  zufrieden  zu  sein,
Sie  haben  allen  Grund,  diese  Lage  dankbar  zu  empfinden  als  einen
Segen  der  Toleranz  und  auch  Ihrerseits  —  wie  das  zu  meiner  Befriedigung
  Herr  Dr.  Porsch  in  Aussicht  gestellt  hat  —  immer  und  überall
  Toleranz  zu  üben.

Meine  Herren,  der  Herr  Abgeordnete  Hackenberg  hat  auch  gefragt,
welche  Grenzen  die  Rücksicht  auf  die  Wünsche  der  katholischen  Bevölkerung
  haben,  wo  Halt  gemacht  werden  würde  in  der  Befriedigung  der
Wünsche  der  katholischen  Bevölkerung.  Ich  nehme  keinen  Augerblick
Anstand,  darauf  zu  erwidern,  daß  die  Voraussetzung  für  die  Aufrechterhaltung
  des  konfessionellen  Friedens,  die  conditio  sine  qua  non  dieses