März  1904.  67

unterstellt  hätte.  Meine  Herren,  ich  hätte  es  nicht  für  möglich  gehalten,
daß  in  meine  klaren  und  einfachen  Worte  ein  so  falscher  Sinn  hineingelegt
  werden  könnte.  Ich  habe  lediglich  davon  gesprochen,  daß  liberale
Blätter  gegenüber  der  zutreffenden  Berufung  auf  die  großen  Mehrheiten,
die  sich  im  Reichstag  für  die  Aufhebung  des  §  2  ausgesprochen  haben,
eingewandt  hätten,  daß  bedeute  nicht  viel,  da  mancher  Abgeordneter
für  die  Aufhebung  in  der  Hoffnung  gestimmt  hätte,  der  Bundesrat
würde  dieser  Aufhebung  nicht  zustimmen.  Es  ist  mir  gar  nicht  eingefallen,
  mir  diese  Ansicht  zu  eigen  zu  machen,  und  es  ist  mir  insbesondere
  nicht  eingefallen,  dem  Herrn  Abgeordneten  Bassermann  oder
dem  Herrn  Abgeordneten  Hackenberg,  der  meines  Wissens  nie  dem  Reichstage
  angehört  hat,  eine  solche  Ansicht  zu  imputieren.  Will  aber  der
Herr  Abgeordnete  von  Eynern  etwa  bestreiten,  daß  solche  liberale
Stimmen  sich  geltend  gemacht  haben,  dann  empfehle  ich  ihm  z.  B.  die
Lektüre  der  Nationalzeitung  vom  10.  d.  M.

Der  Herr  Abgeordnete  von  Eynern  hat  aber  weiter  auch  die  große
Politik  in  den  Kreis  seiner  Erörterungen  gezogen.  Er  scheint  zu  fürchten,
daß  die  Aufhebung  des  8  2  den  Dreibund  sprengen

(Heiterkeit)

und  unser  Verhältnis  zu  Italien  erschüttern  könnte.  Wenigstens  auf
dem  Gebiet  der  auswärtigen  Politik  und  namentlich  was  unsere  Beziehungen
  zu  Italien  angeht,  könnte  eigentlich  selbst  der  Herr  Abgeordnete
von  Eynern  etwas  mehr  Vertrauen  zu  mir  haben,  der  ich  vor  zwei
Jahren  den  Dreibund  in  unveränderter  Form  erneuert  und  vorher  jahrelang
  das  Reich  als  Botschafter  beim  Königreich  Italien  vertreten  habe.
Der  Herr  Abgeordnete  von  Eynern  hat  nach  dem  Oldenburgschen  Bericht
  gesagt:

Wir  stehen  treu  und  fest  zu  Osterreich  und  Italien.  Solange  das

Zentrum  noch  nicht  solchen  Einfluß  auf  die  Regierung  ausübte,

konnte  man  das  sagen.  Wenn  aber  mehr  und  mehr  das  Zentrum

den  römischen  Einfluß  in  den  Vordergrund  schiebt,  kann  das  unsere

Stellung  zu  den  auswärtigen  Staaten  berühren.

Darauf  erwidere  ich  dem  Herrn  Abgeordneten  von  Eynern,  daß  das
Zentrum  so  wenig  wie  irgend  eine  andere  Partei  Einfluß  hat  auf  den
Gang  unserer  auswärtigen  Politik,  und  ich  weise  mit  der  größten,  mit
der  allergrößten  Entschiedenheit  die  vollständig  grundlose,  unzutreffende
und  unberechtigte  Behauptung  zurück,  daß  irgend  eine  Partei  meine
auswärtige  Politik  bestimmen  könnte.  Ich  führe  diejenige  auswärtige

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