März  1904.  69

Person  gehe  ich  lieber  mit  Herrn  von  Bennigsen  als  mit  Herrn  von

Eynern.
(Beifall  und  lebhafte  Heiterkeit.)

Auch  in  den  weiteren  Verlauf  der  Debatte  noch  einzugreifen,  sah  Graf  von
Bülow  sich  veranlaßt,  und  zwar  durch  die  Ausführungen  des  Abgeordneten
Dr.  Friedberg.  2)

Ministerpräsident,  Reichskanzler  Graf  von  Bülom:

Meine  Herren,  ich  möchte  die  Diskussion  nicht  aufhalten,  zumal
mein  Herr  Nachbar,  der  Herr  Kultusminister,  auch  auf  die  Ausführungen
des  Abgeordneten  Dr.  Friedberg  antworten  will.  Ich  kann  aber  eine
Reihe  von  Bemerkungen  des  Herrn  Vorredners  nicht  unwidersprochen
lassen.  Wenn  der  Abgeordnete  Friedberg  von  splendid  isolation  gesprochen
  hat,  in  der  ich  mich  befände,  so  erwidere  ich  ihm,  daß,  wenn
in  diesem  Hohen  Hause  über  die  Aufhebung  des  5  2  abgestimmt
würde,  ich  wahrscheinlich  nicht  ganz  allein  für  die  Aufhebung  eintreten
würde.  Ich  möchte  ihn  ferner  darauf  hinweisen,  daß  ich  nicht  glauben
kann,  die  rechte  Seite  dieses  Hohen  Hauses  sei  mit  dem  Standpunkt
des  Herrn  Dr.  Friedberg  in  kirchenpolitischer  Hinsicht  vollständig  einverstanden.
  Ich  wenigstens  finde,  daß  zwischen  den  Ausführungen,  die
vorgestern  hier  der  Herr  Abgeordnete  von  Heydebrand  gemacht  hat,
und  der  heutigen  Rede  des  Herrn  Abgeordneten  Dr.  Friedberg  wie  den
gestrigen  Ausführungen  des  Herrn  Abgeordneten  von  Eynern  ein  sehr
wesentlicher  Unterschied  besteht.

(Sehr  richtig!  rechts.)
Und  endlich  möchte  ich  den  Herrn  Abgeordneten  Dr.  Friedberg  darauf
aufmerksam  machen,  daß,  wenn  ich  eine  Sache  für  richtig  halte,  ich
mich  nicht  deshalb  von  ihr  abbringen  lasse,  weil  ich  mit  meiner  Meinung
  allein  stehe.  Wenn  ich  keinen  anderen  Kompaß  hätte  als  das
Mehrheitsprinzip,  wäre  ich  ein  schlechter  Ministerpräsident.

Ferner  hat  der  Herr  Abgeordnete  Friedberg  von  einer  großen
Rücksichtslosigkeit  gesprochen,  die  ich  begangen  hätte.  Worin  soll  denn
diese  Rücksichtslosigkeit  bestehen?  Darin,  daß  ich  auf  einen,  wie  von  allen
Seiten  zugegeben  worden  ist,  vom  Reichstag  mit  sehr  großer  Mehrheit
gefaßten  Beschluß  eingegangen  bin?!  Wo  kommt  demn  die  Stimme  des
deutschen  Volkes  mehr  zum  Ausdruck,  in  den  Beschlüssen  des  Reichstages
  oder  in  dem,  was  der  Herr  Abgeordnete  Dr.  Friedberg  und  seine

2)  Ebenda,  S.  3169ff.