März  1904.  71

kann  aber  doch  nicht  zu  dieser  Frage,  wie  der  Herr  Abgeordnete
Dr.  Friedberg  tut,  abwechselnd  ja  und  dann  wieder  nein  sagen.
(Große  Heiterkeit.)

Nun,  meine  Herren,  hat  der  Abgeordnete  Friedberg  wieder  gesprochen
  von  Geschäften,  die  ich  machte  mit  einer  Partei  dieses  Hohen
Hauses.  Darauf  entgegne  ich  dem  Herrn  Abgeordneten  Dr.  Friedberg,
daß  ich  vorgestern  und  daß  ich  schon  früher  betont  habe,  daß  von  einer
Abhängigkeit  der  Königlichen  Staatsregierung  von  irgend  einer  Partei
nicht  die  Rede  ist  und  nicht  die  Rede  sein  kann.  Das  wird  mir  der
Herr  Abgeordnete  Dr.  Friedberg  aber  doch  wohl  selbst  zugeben,  daß  ich
als  praktischer  Politiker  mit  den  Verhältnissen  rechnen  muß,  wie  sie  im
Reichstage  liegen,  wie  ich  sie  im  Reichstage  nicht  geschaffen,  sondern
vorgefunden  habe.  Und  das  wird  der  Herr  Abgeordnete  Dr.  Friedberg
doch  auch  nicht  bestreiten,  daß  ich  als  leitender  Minister  Fühlung  halten
muß  mit  den  großen  Parteien,  die  auf  dem  Boden  der  bestehenden
Ordnung  der  Dinge  stehen

(sehr  richtig!),

mit  den  großen  staatserhaltenden  Parteien,  solange  ich  mich  in  verfassungsmäßigen
  Bahnen  bewegen  will.  Wie  würde  es  denn  der  Herr
Abgeordnete  Dr.  Friedberg  machen,  wenn  er  an  meiner  Stelle  stünde?
Würde  Herr  Dr.  Friedberg  denn  etwa  einen  Staatsstreich  unternehmen?
Danach  sieht  er  mir  doch  eigentlich  nicht  aus

(große  Heiterkeit!)
trotz  dem,  was  er  eben  von  seinem  Temperament  gesagt  hat.  Oder
würde  der  Herr  Abgeordnete  Dr.  Friedberg  sich  im  Reichstag  auf  die
äußerste  Linke  stützen?  Solchen  Wünschen  und  Gedanken  begegne  ich
ja  zuweilen  in  linksliberalen  Blättern.  Ich  habe  erst  heute  früh  einen
Artikel  in  dieser  Richtung  gelesen.  Ich  halte  den  Herrn  Abgeordneten
Friedberg  aber  doch  für  zu  verständig,  als  daß  er  so  phantastische
Wege  einschlagen  sollte.  Ich  glaube,  wenn  der  Herr  Abgeordnete
Dr.  Friedberg  an  meiner  Stelle  stünde,  dann  würde  er  es  ungefähr
ebenso  machen  wie  ich

(Heiterkeit),

nur  etwas  temperamentvoller.

(Große  Heiterkeit.)
Es  ist  ebenso  falsch,  mir  die  Aufhebung  des  §  2,  die  —  man  kann
gar  nicht  oft  genug  daran  erinnern  —  wiederholt  seit  Jahren  von  der
sehr  großen  Mehrheit  des  Reichstags  beschlossen  worden  ist,  als  eine
Nachgiebigkeit  gegenüber  dem  Zentrum  anzukreiden,  wie  es  falsch  wäre,