7.1  10.  Frankreich-England.  —  Marokko.  —  Ostasien.  —  China.

denen  er,  wie  ich  glaube,  mir  selbst  zugeben  wird,  daß  es  leichter  ist,
sie  zu  stellen,  als  sie  zu  beantworten.

So  hat  der  Herr  Vorredner  von  einer  Verschiebung  der  enropäischen
  Lage  gesprochen.  Das  kann  sich  nur  auf  das  vor  einigen
Tagen  in  die  Offentlichkeit  gelangte  französisch-englische  Kolonialabkommen
  beziehen.

(Sehr  richtig!)

Ich  darf  den  Herrn  Abgeordneten  Sattler  darauf  aufmerksam  machen,
daß  sich  die  englischen  Minister,  wie  ich  gelesen  habe,  über  dieses  Abkommen
  erst  heute  abend  im  englischen  Parlament  aussprechen  wollen.
Ebenso  wenig  haben  sich  bisher  die  französischen  Minister  über  das  Abkommen
  geäußert.  Da  wird  er  gewiß  begreifen,  daß  ich  mich  nicht  des
längeren  und  breiteren  über  diesen  Vertrag  hier  auslassen  kann.  Denn
ich  habe  in  meiner  Eigenschaft  als  Minister  des  Außern  die  Pflicht,
wenn  ich  hier  über  auswärtige  Politik  spreche,  solche  Sachen  zu  sagen,
die,  wenn  möglich,  das  Interesse  des  Landes  fördern,  und  die  jedenfalls
nicht  das  Interesse  des  Landes  schädigen.  Das  aber  kann  ich  dem
Herrn  Abgeordneten  Sattler  über  diesen  Punkt  doch  sagen,  daß  wir
keine  Ursache  haben,  anzunehmen,  das  englisch-französische  Kolonialabkommen
  enthalte  eine  Spitze  gegen  irgend  eine  andere  Macht.  Was
vorzuliegen  scheint,  ist  der  Versuch,  eine  Reihe  von  Differenzpunkten,
die  zwischen  England  und  Frankreich  bestanden,  auf  dem  Wege  gütlicher
Verständigung  aus  der  Welt  zu  räumen.  Dagegen  haben  wir  vom
Standpunkt  der  deutschen  Interessen  nichts  einzuwenden.  Ein  gespanntes
Verhältnis  zwischen  Frankreich  und  England  brauchen  wir  schon  deshalb
nicht  zu  wünschen,  weil  ein  solches  eine  Gefährdung  des  Weltfriedens
wäre,  dessen  Aufrechterhaltung  wir  aufrichtig  anstreben.

Was  speziell  Marokko  angeht,  das  den  Kernpunkt  dieses  Abkommens
  bilden  dürfte,  so  sind  wir,  wie  im  Mittelmeer  überhaupt  und
speziell  in  Marokko,  im  wesentlichen  wirtschaftlich  interessiert.  Wir
haben  da  vor  allem  kommerzielle  Interessen.  Deshalb  haben  wir  auch
ein  erhebliches  Interesse  daran,  daß  in  Marokko  Ruhe  und  Ordnung
herrscht.  Unsere  merkantilen  Interessen  in  Marokko  müssen  und  werden
wir  schützen.  Wir  haben  keinen  Grund,  zu  befürchten,  daß  diese  unsere
Interessen  in  Marokko  von  irgend  einer  Macht  mißachtet  oder  verletzt
werden  könnten.

Was,  meine  Herren,  den  Konflikt  in  Ostasien  angeht,  so  ist
unsere  Haltung  gegenüber  diesem  Kriege  eine  sehr  einfache.  Nachdem
es  leider  nicht  gelungen  ist,  den  Frieden  aufrecht  zu  erhalten,  tun  wir,