April  1904.  77

Wendungen  allgemeiner  Natur  ergangen  hat,  als  daß  er  seine  Vorwürfe
spezialisiert  hätte.  Ich  würde  ihm  dankbar  sein,  wenn  er  mir  sagen
wollte,  welche  Zugeständnisse  ich  an  den  Ultramontanismus  gemacht
haben  soll  auf  Kosten  der  Interessen  des  Reiches.  Ich  glaube  nicht,
daß  er  in  der  Lage  ist,  mir  ein  solches  Zugeständnis  zu  nennen.  Ich
bestreite  auf  das  allerentschiedenste,  daß  ich  in  dieser  Beziehung  irgend
eine  Konzession  gemacht  hätte,  die  ein  Nachteil  für  das  Reich  oder  ein
Unrecht  gegenüber  der  evangelischen  Kirche  gewesen  wäre.  Wenn  aber
der  Herr  Abgeordnete  Dr.  Sartler  ein  Mittel  weiß,  wie  ich  die  Geschäfte
des  Reiches  in  verfassungsmäßiger  —  ich  unterstreiche  dreimal  das
Wort:  verfassungsmäßig  —  und  ersprießlicher  Weise  führen  kann  ohne
jede  Rücksicht  auf  die  stärkste  Partei  in  diesem  Hause,  dann  soll  der
Herr  Abgeordnete  Dr.  Sattler  die  Güte  haben,  mir  dies  Mittel  ins
Ohr  zu  sagen.
(Hört!  hört!  Heiterkeit.)
Ein  solches  Rezept  muß  er  doch  in  der  Tasche  haben,  denn  sonst  würde
es  im  hohen  Grade  ungerecht  sein,  mir  einen  Vorwurf  daraus  zu  machen,
daß  ich  mit  den  gegebenen  Verhältnissen  rechne.  Also  ich  bitte!  heraus
mit  diesem  Mittel  und  heraus  mit  dem  Rezept!  Wenn  das  nicht
geschieht,  so  würde  mich  das  Verhalten  des  Herrn.  Abgeordneten
Dr.  Sattler  an  die  bekannte  Anekdote  erinnern,  die  der  verewigte  Fürst
Bismarck  —  ich  kann  im  Augenblick  nicht  sagen  wo,  ich  glaube,  in
seinen  Gedanken  und  Erinnerungen  —  von  dem  kleinen  Fürsten  erzählt,
der  seinem  Minister  befahl,  er  möchte  sein  Volk  glücklich  machen;  wie
aber  der  Minister  das  Volk  glücklich  machen  solle,  das  sagte  Serenissimus
ihm  nicht.
(Heiterkeit.)

Der  Herr  Abgeordnete  Dr.  Sattler  ist  auch  eingegangen  auf  die
Haltung  der  nationalliberalen  Partei  gegenüber  der  Aufhebung  des  §  2.
Gewiß  gebe  ich  zu,  daß  ein  Teil  der  nationalliberalen  Partei  der  Beseitigung
  des  §  2  nicht  zugestimmt  hat.  Aber  der  dissentierende  Teil
der  nationalliberalen  Partei  hat  diese  seine  Haltung  nach  außen  sehr
wenig  akzentuiert.  Der  Herr  Abgeordnete  Dr.  Sattler  wird  mir  zugeben,
daß,  ausgenommen  der  Herr  Abgeordnete  Dr.  Sattler,  die  führenden
Geister  der  nationalliberalen  Partei

(Heiterkeit)
so  überwiegend  auf  der  anderen  Seite  standen,  daß  dieser  Dissens  nicht
in  die  Offentlichkeit  getreten  ist.  Ich  muß  mich  also  nochmals  dagegen
  verwahren,  daß  mir  als  Verleugnung  des  Staats-