80  11.  Russische  Revolutionäre.

die  wir  soeben  gehört  haben.  Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  mit
einem  großen  Aufwand  von  Pathos  und  mit  einem  nicht  geringen  Aufwand
  von  Kraftworten  sich  über  die  Ausweisungen  verbreitet,  die  hier
vor  einiger  Zeit  stattgefunden  haben.  Er  hat  dabei  von  einer  Art
von  Zurückmanserung  gesprochen,  die  bei  mir  stattgefunden  haben  soll.
Er  hat  gemeint,  ich  hätte  mir  seinerzeit  im  Auslande  einen  freien  Blick
erworben,  der  mir  aber  in  den  heimischen  Verhältnissen  wieder  abhanden
gekommen  wäre.  Ich  erwidere  ihm,  daß,  wenn  ich  im  Auslande  etwas
gelernt  habe,  es  vor  allem  das  war,  daß  man  als  internationaler
Kosmopolit  wohl  ein  ganz  guter  Mann  sein  kann,  vielleicht  auch  ein
hervorragender  Agitator,  aber  ein  praktischer  Staatsmann  ist  man
nicht.  Im  übrigen  kann  ich  den  Herrn  Abgeordneten  Bebel  nur  bitten,
seinen  Studie  über  Mauserung  lieber  in  seiner  eigenen  Partei  vorzunehmen.


(Heiterkeit.)
Und  wenn  er  bei  solchen  Studien  etwas  an  den  Tag  legt  von  der
Toleranz  und  Nächstenliebe,  die  er  eben  so  schön  gepredigt  hat,  so  habe
ich  nichts  dagegen.

(Heiterkeit.)

Meine  Herren,  die  Spezialfälle,  welche  der  Herr  Abgeordnete  Bebel
soeben  zur  Sprache  gebracht  hat,  werden  von  zuständiger  Seite  widerlegt
  werden.  Ich  möchte  meinerseits  aber  sogleich  zweierlei  hervorheben.
Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  wieder  gemeint,  die  russischen  Revolutionäre
  wären  im  Grunde  harmlose  Menschen,  sie  kämpften  nur  mit
gesetzlichen  Mitteln,  dächten  nicht  an  so  was  wie  Blutvergießen.  Da
möchte  ich  ihm  doch  einen  Passus  aus  einer  solchen  russischen  nihilistischrevolutionären
  Broschüre  vorlesen.

(Zurnf.)
Ich  bemerke  ausdrücklich,  daß  ich  diesen  Artikel  in  der  Ubersetzung  der
„Leipziger  Volkszeitung“  vorlese
(Heiterkeit),

die  wohl  von  allen  sozialistischen  Blättern  dasjenige  ist,  das  dem  Herrn
Abgeordneten  Bebel  am  nächsten  steht.  Ich  erinnere  mich,  daß,  als  es
im  vergangenen  Sommer  in  der  sozialdemokratischen  Partei,  ich  will
nicht  sagen,  kriselte,  aber  dort  allerlei  Gegensätze  hervortraten,  sich  der
Herr  Abgeordnete  Bebel  vom  „Vorwärts"“  zu  der  „Leipziger  Volkszeitung“
flüchtete.  Also  gegen  dies  Blatt  wird  er  wohl  nichts  einzuwenden  haben.
Da  heißt  es  also  in  dieser  von  der  „Leipziger  Volkszeitung“  wiedergegebenen
  russischen  revolutionären  Broschüre: