April  190.  81

Ob  Nifolaus  II.  in  einer  Mietskutsche  vom  Kasanschen  oder
Semenowschen  Platze  abfährt  oder  in  einem  Wagen  unter
schmutziger  Wäsche  versteckt  weggeführt  wird  wie  ein  anderer
Häuptling  der  Reaktion  während  der  Revolution,  oder  ob  er  in
Frauenkleidung  wie  ein  anderer  Magister  der  Unterjochungskunst
flieht,  das  alles  interessiert  uns  wenig:  die  Geschichte  selbst  wird
das  Schicksal  bestimmen.  Ob  das  Schafott  Ludwigs  XVI.  oder
der  Frauenrock  Guizots  —  das  ist  die  Sache  der  Zukunft,  und
nicht  wir  haben  mit  operettenblutigen  Strömen  herumzuspritzen!

(Na  also!  bei  den  Sozialdemokraten.)

Na  also,  meine  Herren?  Wenn  Ihnen  das  noch  nicht  genügt,  so
lese  ich  Ihnen  einen  weiteren  Artikel  aus  der  „Leipziger  Volkszeitung“
selbst  vor.  Die  „Leipziger  Volkszeitung“  schrieb  über  das  glücklicherweise
  mißlungene  Attentat  gegen  den  Gonvernenr  von  Wilna:

Der  leider  aus  der  strafenden  Hand  eines  Helden  mit  heiler  Haut
entkommene  Wilnaer  Gouverneur  gehört  zu  der  verächtlichsten
Gattung  der  Schergen  im  Zarenreiche.  Diesmal  war  das  heldenhafte
  Opfer  des  Lebens  umsonst  gebracht,  und  das  liebe  Publikum
half  natürlich  mit,  den  Rächer  der  mit  Füßen  getretenen  Menschenwürde
  in  die  Krallen  der  Polizei  zu  bringen,  aus  denen  er  wohl
nicht  wieder  herauskommt.  Aber  die  einstweilen  glücklich  gerettete
Kanaille  wird  sich  hoffentlich  diesen  Fall  als  Warnung  und  Mahnung
  merken,  daß  in  Rußland  die  Zeiten  der  ungestraften  Herrschaft
  von  ihresgleichen  vorbei  sind.

So  sehen  die  Herren  aus,  für  die  sich  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  so
leidenschaftlich  ins  Zeug  legt.

Was  nun  die  stattgehabten  Ausweisungen  angeht,  die  auf  meine
Veranlassung  erfolgt  sind,  so  haben  sich  die  Ausgewiesenen  ihr  Schicksal
selbst  zuzuschreiben.

(Sehr  richtig!  rechts.)

Ich  habe  hier  vor  einigen  Wochen  gesagt,  daß  fremde  Studenten,  die
sich  bei  uns  ruhig  und  anständig  benehmen,  ungestört  unsere  Bildungsanstalten
  besuchen  und  in  Frieden  ihren  Studien  nachgehen  können.)
Wie  richtig  das  ist,  können  Sie  schon  daraus  entnehmen,  daß  an
der  Universität  Berlin  in  der  letzten  Zeit  die  Zahl  der  fremden  und
2)  Vgl.  oben  S.  ö3.
Penzler,  Bülows  Reden  2c.  II.  6