82  11.  Ostasiatische  Frage.  —  Verkauf  deutscher  Schiffe.

speziell  der  russischen  Studenten  nicht  ab-,  sondern  zugenommen  hat.
(Hörtl  hört!  rechts.)
Es  scheint  also  den  Herren  bei  uns  gar  nicht  schlecht  zu  gefallen.

Ich  habe  aber  weiter  gesagt,  daß,  wenn  die  fremden  Studenten
sich  mausig  machen  sollten,  sie  ausgewiesen  werden  würden.  Sie  haben
sich  mausig  gemacht,  sie  haben  die  Zurückhaltung  überschritten,  die  fremde
Gäste  überall  einzuhalten  haben.  Wir  haben  von  dem  Rechte  jedes
Hausherrn  Gebrauch  gemacht,  Fremden,  die  sich  lästig  machen  und  unangemessen
  benehmen,  die  Tür  zu  weisen.

(Bravokt  rechts.)
Sich  öffentlich  von  Fremden  Unhöflichkeiten  sagen  zu  lassen,  das  braucht
sich  die  preußische  Regierung  nicht  gefallen  zu  lassen,  das  braucht  sich
die  preußische  Polizei  nicht  gefallen  zu  lassen,  und  das  brauche  ich  mir
auch  nicht  gefallen  zu  lassen.
(Sehr  richtig!  rechts.)

Ich  will  aber  noch  die  Bemerkung  zurückweisen,  die  der  Herr  Abgeordnete
  Bebel  bei  diesem  Anlasse  über  den  verewigten  Fürsten  Bismarck
gemacht  hat.  Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  behauptet,  daß  die
Aktenstücke,  die  ich  neulich  aus  der  Feder  des  Fürsten  Bismarck  vorgelesen
  habe,  3)  das  Andenken  des  Fürsten  Bismarck  kompromittierten.

(Sehr  richtig!  bei  den  Sozialdemokraten.  Lachen  rechts.)
Ich  glaube  im  Gegenteil  —  und  die  Mehrheit  dieses  Hauses  und  die  große
Mehrheit  im  Lande  wird  es  mit  mir  glauben  —,  daß  diese  Aktenstücke  nur
beweisen,  mit  welchem  Ernst  und  wie  unermüdlich  auch  an  seinem  Lebensabend
  noch  Fürst  Bismarck  für  den  Frieden  und  die  Sicherheit  des  Reichs
sorgte,  dessen  Erstehung  in  erster  Linie  seinem  Genie  zu  danken  ist.
(Bravol  rechts.)

Meine  Herren,  nun  hat  sich  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  auch  der
ostasiatischen  Frage  zugewandt  und  mit  einer  gewissen  Feierlichkeit
erklärt,  es  dürfe  in  dem  Kriege  in  Ostasien  in  keiner  Weise  Partei
ergriffen  werden  für  einen  oder  den  andern  der  beiden  Kämpfer.  Mit
Vergnügen  konstatiere  ich,  daß  das  beinahe  wörtlich  übereinstimmt  mit
dem,  was  ich  vorgestern  hier  gesagt  habe.  Aber  mit  viel  weniger  Vergnügen
  muß  ich  auch  feststellen,  daß  damit  die  Sprache  der  sozialdemokratischen
  Presse  gar  nicht  stimmt,  die  in  der  outriertesten,  in  der
gehässigsten  Weise  Partei  nimmt  gegen  Rußland,  die  unermüdlich  bestrebt
  ist,  uns  mit  Rußland  zu  verhetzen.  Das  steht  im  Widerspruch

2)  Vgl.  S.  49  f.