86  11.  Handelsverträge.  —  Zuckerkonvention.

kürzlich  im  preußischen  Abgeordnetenhause  betonts)  —  eingetreten  mit
dem  festen  Vorsatz,  unseren  neuen  Handelsverträgen  einen  so
landwirtschaftsfreundlichen  Zuschnitt  als  möglich  zu  geben.
Das  ist  der  erste  Punkt  der  Instruktion,  die  ich  unsern  Unterhändlern
auf  den  Weg  gegeben  habe
(Zuruf  rechts);

daran  machen  mich  auch  die  Angriffe  nicht  irre,  die  gestern  der  Abgeordnete
  Gothein  gegen  mich  gerichtet  hat,  indem  er  mir  vorwarf,
daß  ich  die  Interessen  der  Industrie  und  des  Handels  weniger  pflegte
als  die  Interessen  der  Landwirtschaft.  Ich  halte  diese  meine  Haltung
für  richtig,  nicht  nur,  weil  ich  glaube,  daß,  wenn  für  die  Landwirtschaft
gesorgt  wird,  auch  Industrie  und  Handel  gut  dabei  fahren,  sondern  auch
in  voller  Würdigung  der  schweren  und  harten  Zeiten,  die  die  Landwirtschaft
  durchgemacht  hat  und  in  vielen  Teilen  unseres  Vaterlandes

heute  noch  durchmacht
(sehr  richtig!),

in  voller  Würdigung  auch  der  nicht  nur  wirtschaftlichen,  sondern  auch
sozialpolitischen  Bedeutung  der  Landwirtschaft,  ihrer  Wichtigkeit  für  die
Kraft  und  Schlagfertigkeit  des  deutschen  Volkes,  ihrer  Wichtigkeit  auch
für  unsere  monarchischen  Institutionen.

(Bravol)

Aber  ich  möchte  bei  dieser  Gelegenheit  auch  auf  einen  Widerspruch
in  den  Angriffen  aufmerksam  machen,  die  so  häufig  gegen  mich  gerichtet
werden.  Wenn  ich,  meine  Herren,  zu  solchen  Anfragen  und  Interpellationen
  schweige,  dann  heißt  es,  warum  ich  die  kacultas  dicendi,
die  der  Herr  Abgeordnete  von  Heydebrand  die  Liebenswürdigkeit  hatte
mir  zuzusprechen,  nicht  benützte  zu  einigen  beschwichtigenden  und  aufrichtenden
  Worten.  Wenn  ich  mich  aber  im  Interesse  der  Landwirtschaft
ausspreche,  dann  heißt  es,  es  wären  nichts  als  Worte.  Sie  werden
mir  zugeben,  meine  Herren,  daß  dieses  Dilemma  grausam  und  daß  es
nicht  leicht  ist,  es  Ihnen  recht  zu  machen.  Uber  den  Stand  der  Handelsvertragsverhandlungen
  hat  der  Herr  Staatssekretär  des  Außern  gestern
Auskunft  gegeben,  soweit  dies  nach  Lage  der  Verhältnisse  möglich  war.
Diese  Auskunft  hat  den  Herrn  Abgeordneten  Grafen  Reventlow  nicht
befriedigt.  Aber  in  keinem  Lande  der  Welt  sind  Minister  in  der  Lage,
dem  Parlamente  über  schwebende  Unterhandlungen  eingehende  Auskunft

1)  Vgl.  oben  S.  41.