88  11.  Zuckerkonvention.  —  Elsaß-Lothringen.

was  ihnen  möglich  war,  um  für  uns  möglichst  günstige  Bedingungen
zu  erlangen.  Ich  halte  die  gegen  sie  erhobenen  Vorwürfe  nicht  für
gerecht.

Ad  vocem  Unterhändler  möchte  ich  mich  noch  gegen  eine  Bemerkung
wenden,  die  der  Herr  Abgeordnete  Gothein  gestern  gemacht  hat.  Der
Herr  Abgeordnete  Gothein  hat  gestern  gesagt:  wenn  unsere  Unterhändler
mit  den  Minimalzöllen  neue  Handelsverträge  zustande  brächten,  so  würden
sie,  wie  er  sich  ausdrückte,  Ubermenschen  sein.  Ich  glaube  nicht,  meine
Herren,  daß  es  nützlich  ist,  öffentlich  so  etwas  vor  den  Ohren  des  Auslandes

  zu  sagen
(sehr  richtig!  rechts);

davon  abgesehen  bestreite  ich  die  Richtigkeit  dieser  Bemerkung.  Gewiß
erleichtern  die  Mindestzölle  nicht  den  Abschluß  neuer  Verträge.  Die
verbündeten  Regierungen  haben  im  Interesse  der  Landwirtschaft  eine
schwere  Aufgabe  auf  sich  genommen,  als  sie  sich  entschlossen,  mit  festgelegten
  Getreidezöllen  in  die  Unterhandlungen  für  den  Abschluß  neuer
Verträge  einzutreten.  Es  ist  aber  falsch,  zu  behaupten,  daß  Handelsverträge
  mit  diesen  Minimalzöllen  unmöglich  wären.  Das  ist  durchaus
nicht  der  Fall.  Wir  halten  es  für  sehr  wohl  möglich,  auf  der  Grundlage
  dieser  Minimalzölle  mit  allen  Staaten,  mit  denen  wir  in  Unterhandlungen
  stehen,  zu  einem  für  beide  Teile  befriedigenden  Ausgleich
zu  gelangen.

Meine  Herren,  ich  komme  zu  den  Ausführungen  des  Herrn
Dr.  Ricklin.  In  den  Streit  des  Herrn  Dr.  Ricklin  mit  dem  Herrn
Abgeordneten  Blumenthal  werde  ich  mich  nicht  einmischen,  teils  weil
ich  mich  ungern  in  Konflikte  mische,  die  mich  nichts  angehen,  teils  auch
aus  dem  Grunde,  weil  ich  es  nicht  mit  jemand  verderben  möchte,  der,
wie  Herr  Gothein  mir  andeutete,  vielleicht  mal  mein  Nachfolger  wird.

(Heiterkeit.)

Ich  werde  also  nur  auf  das  eingehen,  was  der  Herr  Abgeordnete  über
die  vorjährigen  Beschlüsse  des  Landesausschusses  für  Elsaß-Lothringen
gesagt  hat.  Der  Herr  Abgeordnete  Ricklin  hat  zutreffend  ausgeführt,
daß  diese  Beschlüsse,  die  der  Herr  Statthalter  von  Elsaß-Lothringen
mir  vorgelegt  hat,  sich  in  dreifacher  Richtung  bewegen.  Sie  verlangen
einmal  Ausschaltung  des  Reichstages  als  gesetzgeberischen  Faktors  für
Elsaß-Lothringen;  sie  fordern  ferner  Vertretung  im  Bundesrat  bei  Beratung
  von  elsaß-lothringischen  Angelegenheiten,  und  sie  wünschen  endlich
Erteilung  der  Befugnisse,  der  Stellung  und  des  Namens  eines  Land-