90  11.  Marokko.  —  Konsularische  Vertreter.

die  Frage  prüfen,  ob  der  Zeitpunkt  schon  gekommen  ist,  den  Forderungen
des  elsaß-lothringischen  Landesausschusses  näher  treten  zu  können.

Ich  wende  mich  noch  zu  einigen  Aussührungen,  die  am  Schlusse
der  gestrigen  Debatte  der  Herr  Abgeordnete  Graf  Reventlow  gemacht
hat.  Der  Herr  Abgeordnete  Graf  Reventlow  hat  behauptet,  daß  das
englisch-französische  Abkommen  und  speziell  der  Hauptteil  jenes  Abkommens,
  der  sich  auf  Marokko  bezieht,  in  Deutschland  mit  Beschämung
und  Niedergeschlagenheit  aufgenommen  worden  wäre.  Er  meint,  wir
dürften  nicht  dulden,  daß  sich  andere  Mächte  in  Marokko  größeren  Einfluß
  sicherten  als  wir.  Das  kann  doch  nur  so  viel  heißen,  als  daß
wir  selbst  ein  Stück  von  Marokko  fordern  sollen.  Ich  möchte  mir  erlauben,
  an  den  Herrn  Abgeordneten  Grafen  Reventlow  eine  einfache
Frage  zu  richten.  Der  Herr  Abgeordnete  Graf  Reventlow  ist  gewiß
mit  mir  der  Ansicht,  daß,  wenn  ein  so  großes  Reich,  wie  das  Deutsche
Reich,  eine  solche  Forderung  stellt,  es  diese  Forderung  auch  durchsetzen
muß,  coüte  que  coüte.  Was  würde  nun  der  Herr  Graf  Reventlow
mir  raten  zu  tun,  wenn  eine  derartige  Forderung  auf  Widerstand  stieße?
Ich  sage  nicht,  daß  es  sicher  ist,  daß  sie  auf  Widerstand  stieße;  ich  sage
nicht,  daß  es  wahrscheinlich  ist,  ich  sage  nur,  daß  man  in  solchen  ernsten
Fragen  jeden  Fall  ins  Auge  fassen  muß.  Würde  dann  der  Herr  Abgeordnete
  Graf  Reventlow  mir  den  Rat  geben,  daß  ich  vom  Leder  ziehen
soll?  —  Der  Herr  Graf  Reventlow  schweigt,  und  ich  verstehe  es,  daß
er  schweigt.

(Heiterkeit.)

Ich  glaube,  meine  Herren,  daß  es  von  meiner  Seite  Leichtsinn  sein
würde  —  und  zu  meiner  Befriedigung  haben  die  Führer  aller  Parteien
mit  Ausnahme  des  Herrn  Grafen  Reventlow  sich  in  diesem  Sinne  ausgesprochen
  —,  wenn  ich  ohne  Not  aus  solchem  Grunde  das  Land  in
Abenteuer  stürzen  wollte.  Ich  glaube  weiter,  meine  Herren,  daß,  wenn
ich  das  täte,  der  Herr  Abgeordnete  Graf  Reventlow,  bei  dem  mir  die
kritische  Ader  stark  ausgebildet  zu  sein  scheint
(Heiterkeit),

mir  mit  derselben  Lebhaftigkeit  übertriebenen  Tatendurst  vorwerfen  würde,
mit  der  er  jetzt  meine  angebliche  Tatenscheu  getadelt  hat.

Ich  glaube,  meine  Herren,  daß  gerade  jetzt,  wo  im  fernen  Osten
ein  Krieg  entbrannt  ist,  dessen  Rückwirkung  vorläufig  noch  unberechenbar
ist,  und  wo  im  näheren  Orient  noch  vieles  ungeklärt  ist,  eine  Politik
besonnener  Ruhe  und  selbst  der  Reserve  im  Interesse  des  Reiches  am