98  13.  Auswärtige  Politik  und  Schutzgebiete.

Ihm  hielt  der
Reichskanzler  Graf  von  Bülow  folgendes  entgegen:

Meine  Herren,  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  seine  Rede  er—
öffnet  mit  einem  Überblick  über  die  gegenwärtige  internationale  Weltlage.
  Ich  werde  ihm  auf  dieses  Terrain  nicht  sehr  weit  folgen,  muß
aber  doch  einige  Bemerkungen  richtigstellen,  die  mir  der  Korrektur  be—
sonders  dürftig  erscheinen.

Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  ein  Telegramm  berührt,  welches
Seine  Majestät  der  Kaiser  aus  Syrakus  an  Seine  Majestät  den
Kaiser  von  Rußland  gerichtet  hat.  Der  Herr  Abgeordnete  Bebel
hat  den  Wortlaut  dieses  Telegramms  nicht  richtig  wiedergegeben.  Aber
allerdings  hat  Seine  Majestät  der  Kaiser  in  seinem  Telegramm  an
den  Kaiser  von  Rußland  der  warmen  Teilnahme  Ausdruck  gegeben  an
dem  schweren  Unglücksfall,  bei  welchem  so  viele  brave  Leute  in  der
Erfüllung  ihrer  Pflicht  in  den  Tod  gegangen  sind.  Ich  bin  überzeugt,
daß  dieses  Gefühl  menschlicher  Teilnahme  nicht  nur  von  der  Mehrheit
dieses  Hohen  Hauses,  sondern  auch  von  der  großen  Mehrheit  im  Lande
geteilt  wird

(sehr  richtig!  rechts),

und  ich  kann  bei  dieser  Gelegenheit  nur  meinem  Bedanern  Ausdruck  geben
über  die  Art  und  Weise,  wie  in  einem  Teile  unserer  Presse  und  namentlich
  in  unseren  Witzblättern  wieder  wie  vor  wenigen  Jahren  die  Un—
glücksfälle  eines  befreundeten  Landes  zum  Gegenstande  gehässiger  und
hämischer  Artikel  und  Zerrbilder  gemacht  werden.

(Sehr  richtig!  rechts.)

Das  widerspricht  ebenso  sehr  menschlichem  Empfinden  wie  dem  politischen
  Takt.
(Sehr  richtig!  rechts  und  bei  den  Nationalliberalen.)

Wenn  aber,  meine  Herren,  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  schon  in
jener  Teilnahme  Seiner  Mgajestät  des  Kaisers  an  dem  Unglück  des
„Petropawlowsk“  eine  Abweichung  von  der  uns  gegenüber  dem  ostasiatischen
  Kriege  obliegenden  Neutralität  erblickt,  wie  kann  er  es  dann
verantworten,  daß  er  wieder  die  heftigsten  Angriffe  gegen  unseren  russischen
  Nachbar  gerichtet  hat,  daß  er  in  so  unverhüllter  Weise  gegen  ihn
zu  Felde  gezogen  ist  unter  Zuhilfenahme  aller  möglichen  schiefen  historischen
  Analogien,  daß  er  in  unverblümten  Worten  gesagt  hat,  er  wünsche
eine  Niederlage  Rußlands?  Das  ist  eine  Abweichung  von  jener  ehr-