Mai  1904.  99

lichen,  strikten  Neutralität,  die  wir  gegenüber  dem  gegenwärtigen  ostasiatischen
  Kriege  nach  beiden  Seiten  hin  einnehmen,  eine  Abweichung,
eine  Verletzung  der  Neutralität,  die  ich  als  verantwortlicher  Minister
nicht  mitmachen  kann.

(Bravok  rechts.)

Meine  Herren,  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  sich  dann  auch
über  die  Lage  der  Dinge  in  Südwestafrika  verbreitet.  Er  hat  hierbei
  die  dortigen  militärischen  Operationen  kritisiert.  Ich  glaube,  meine
Herren,  daß  bei  der  gegenwärtigen  Lage  der  Dinge  in  Südwestafrika
eine  solche  Kritik  —  ich  will  mich  schonend  ausdrücken  mindestens
nicht  zeitgemäß  ist.

(Sehr  richtig!  rechts.)
Was  soll  jetzt  mit  solchen  Erörterungen  erreicht  werden?  Wie  sollen
wir  jetzt,  wo  wir  gar  nicht  in  der  Lage  sind,  die  Beteiligten  zu  hören,
zu  einem  objektiven  Urteil  gelangen?  Wenn  überhaupt  auf  Grund  eines
sichereren  Materials,  als  es  uns  jetzt  zur  Verfügung  steht,  unseren  Offizieren
  draußen  ein  Vorwurf  wird  gemacht  werden  können,  so  wird  es
doch  höchstens  der  Vorwurf  sein,  daß  sie  ihre  Person  und  ihr  Leben  zu
rücksichtslos  in  die  Schanze  geschlagen  haben.
(Sehr  wahr!  rechts.)
Das  ist  ein  schöner  Vorwurf,  und  ich  muß  sagen,  die  Art  und  Weise,
wie  unsere  Leute  und  unsere  Offiziere  in  den  Tod  gegangen  sind,
der  sehr  hohe  Prozentsatz  der  gefallenen  Offiziere  ist  eine  gründliche
Widerlegung  der  generalisierenden  Vorwürfe,  die  so  vielfach  in  letzter
Zeit  gegen  unser  Offizierkorps  erhoben  worden  sind.
(Sehr  gutt  rechts.)

Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  auch  gemeint,  der  Ausbruch  des
Aufstandes  wäre  zum  größten  Teil  zurückzuführen  auf  das  Verhalten,
auf  die  Ausschreitungen,  auf  die  Gransamkeit  unserer  Landsleute  drüben
in  Südwestafrika.  Ich  überlasse  es  dem  Herrn  Kolonialdirektor,  die
Einzelfragen,  welche  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  an  die  Kolonialverwaltung
  gestellt  hat,  zu  beantworten.  Ich  möchte  meinerseits  aber  doch
folgendes  sagen.  Gewiß  sind  unsere  Landsleute  drüben  auch  Menschen
von  Fleisch  und  Blut.  Wie  andere  Kolonialländer  haben  auch  wir  die
Erfahrung  machen  müssen,  daß  sich  Leute,  denen  es  an  der  nötigen
Selbstzucht  fehlt,  unter  dem  Einfluß  des  Klimas,  der  stärkeren  Machtvollkommenheit,
  der  größeren  Bewegungsfreiheit  zu  Ausschreitungen  hinreißen
  lassen.  Aber  solche  tieftraurigen  Einzelfälle  bilden  doch,  Gott