100  13.  Auswärtige  Politik  und  Schutzgebiete.

sei  Dank,  eine  verschwindende  Ausnahme  gegenüber  der  großen  Anzahl
unserer  Landsleute,  die  drüben  in  Selbstzucht  und  Pflichttreue  ihre  harte
Arbeit  verrichten.

(Sehr  richtig!  rechts.)

Ich  halte  es  für  meine  Pflicht,  das  gerade  jetzt  gegenüber  unseren
so  schwer  betroffenen  Landsleuten  in  Südwestafrika  von  dieser  Stelle
aus  zu  erklären.  Das  sage  ich  auch  gegenüber  den  Angriffen,  die  von
einzelnen  Missionaren  gegen  unsere  Landsleute  gerichtet  worden  sind.
Ich  kann  bei  aller  Hochachtung  für  die  Missionare  nur  meinem  Bedauern
darüber  Ausdruck  geben,  daß  sie  sich  gerade  diesen  Augenblick,  wo  so
viele  Deutsche  das  Opfer  roher  Barbarei  geworden  sind,  ausgesucht
haben,  um  solche  Anschuldigungen  zu  erheben.  In  dem  uns  in  Südwestafrika
  aufgedrungenen  Kampfe  ist  der  Platz  der  Missionare  an  der
Seite  ihrer  Landsleute.  Ich  kann  ihnen  weder  das  Recht  der  Neutralität
  zwischen  Deutschen  und  Hereros  einräumen,  noch  das  Amt  eines
Anklägers  oder  Richters  zugestehen.

Der  Abgeordnete  Bebel  hat  weiter  die  Truppensendungen  nach
Südwestafrika  berührt.  Darüber  möchte  ich  im  allgemeinen  folgendes
sagen.  Man  hat  gemeint,  daß  wir  von  vornherein  mehr  Truppen  nach
Südwestafrika  hätte  schicken  sollen.  Es  ist  auch  gesagt  worden,  die
Truppensendungen  hätten  rascher  vor  sich  gehen  sollen.  Demgegenüber
betone  ich,  daß  ich  von  dem  Tage  an,  als  die  erste  Nachricht  über  den
Aufstand  in  Südwestafrika  eintraf,  sowohl  der  Kolonialverwaltung  wie
dem  Gouverneur  von  Südwestafrika  keinen  Zweifel  mehr  darüber  gelassen
habe,  daß  ich  die  Verantwortung  übernähme  für  alle  Truppensendungen
nach  Südwestafrika,  die  vom  militärischen  Standpunkt  aus  für  erforderlich
erachtet  würden,  und  daß  ich  die  dadurch  notwendig  werdenden  Kosten
vor  diesem  hohen  Hause  vertreten  würde.  Sparsamkeit,  wo  es  sich  um
die  Rettung  so  vieler  in  Bedrängnis  befindlicher  Deutscher,  wo  es  sich
um  das  Ansehen  unserer  Fahne,  wo  es  sich  um  den  militärischen  Erfolg
handelt,  wäre  eine  Sparsamkeit  am  unrechten  Ort,  wäre  geradezu  ein
Verbrechen.  Es  sind  denn  auch  genau  so  viel  Truppen  und  mit  jeder
denkbaren  Beschleunigung  hinausgeschickt  worden,  als  von  dem  Gouverneur
infolge  meiner  wiederholten  Anfragen  gefordert  wurden.  Allen  hinsichtlich
des  militärischen  Bedarfs  geäußerten  Wünschen  ist  von  uns  sofort  entsprochen
  worden.  An  diesem  Standpunkt  werden  wir  auch  weiter  festhalten,
  und  wir  hoffen  dabei  auf  die  Zustimmung  dieses  hohen  Hauses.

Was  die  Entsendung  des  Generallentnants  von  Trotha
betrifft,  so  ist  der  Sachverhalt  sehr  einfach.  Die  Leitung  der  Operationen