110  14.  Konservative  Partei.  15.  Gegen  Bebel.

gangspunkt  meiner  Betrachtungen  zurück  —  vielfache  Unzufriedenheit
mit  der  Regierung  vorhanden  wäre.  Ich  bin  weit  entfernt,  zu  verlangen,
  daß  konservativ  und  gouvernemental  identische  Begriffe  sein  sollen.
Ich  weiß  sehr  wohl,  daß  es  das  Recht  und  die  Pflicht  konservativer
Männer  sein  kann,  der  Regierung  Opposition  zu  machen.  Ich  weiß,
daß  ein  Konservativer  nicht  verpflichtet  ist,  der  Regierung  immer  Vertrauen
  entgegenzutragen.  Aber,  meine  Herren,  ein  so  weitgehendes
Mißtrauen,  wie  es  nicht  in  der  persönlichen  Stellung  der  beiden  hochverehrten
  Herren  mir  gegenüber,  aber  nach  dem  Herrn  Freiherrn  von
Manteuffel  an  anderen  Stellen  vorhanden  ist,  ein  solches  Mißtrauen
ist  doch  nicht  konservatin.  Ich  glaube,  daß  ein  Sturmlaufen  gegen  die
Regierung,  wie  es  in  letzter  Zeit  auch  von  konservativer  Seite  unternommen
  ist,  weder  taktisch  richtig,  weder  ein  Beweis  von  politischem
Augenmaß,  noch  gerecht  ist.  Denn  es  handelt  sich  um  eine  Regierung,
die  nach  meiner  festen  Uberzeugung  an  Freundlichkeit  für  die  Landwirtschaft
  schwerlich  von  einer  ihrer  Nachfolgerinnen  übertroffen  werden  wird.

(Lebhafte  Zustimmung.)

Warten  Sie  nur  ab,  Sie  werden  sich  noch  nach  meinen  Fleischtöpfen
  zurücksehnen.
(Große  Heiterkeit.)

Ich  habe  mich  bestrebt,  seitdem  ich  an  dieser  Stelle  stehe,  im
Rahmen  des  Staatswohls  und  des  Gesamtinteresses  ein  Zusammengehen
  zwischen  der  Regierung  und  der  konservativen  Partei
zu  ermöglichen.  Ich  habe  mich  besonders  bestrebt,  manche  Hindernisse
aus  dem  Wege  zu  räumen,  die  ein  Zusammengehen  zwischen  der  Regierung
  und  der  konservativen  Partei  erschweren  könnten.  Ich  habe
diesem  Gesichtspunkte  manche  anderen  Erwägungen  untergeordnet,  speziell
die  eine  Frage,  die  ich  vor  Ihnen  nicht  näher  zu  bezeichnen  brauche.
Ich  möchte  aber,  daß  mir  meine  redlichen  Bemühungen  von  der  andern
Seite  etwas  erleichtert  würden.

Es  ist  in  der  letzten  Zeit  von  mehr  als  einer  Seite  darauf  hingewiesen
  worden,  daß  am  Horizont  unserer  inneren  und  auch  äußeren
Politik  manche  ernsten  Zeichen  stehen.  Jedenfalls  haben  wir  —  und
das  ist  zu  meiner  besonderen  Genugtuung  in  den  Worten  der  beiden
Herren  Vorredner  zum  Ausdruck  gekommen  —  allen  Grund,  unsere
Reihen  zusammenzuschließen  und  uns  um  die  gemeinsame  Fahne  zu
sammeln.  Diese  Fahne  kann  nur  die  Königliche  Fahne  sein,  zu  welcher
dieses  Hohe  Haus  immer  gestanden  hat;  deshalb,  meine  Herren,  hofft