Dezember  1904.  111

die  Königliche  Staatsregierung,  daß  sie  bei  diesem  Hohen  Hause  immer
Unterstützung  und  das  Vertrauen  finden  wird,  deren  sie  bedarf  zur
Sicherung  der  Fundamente  des  Preußischen  Staates.  Die  Erhaltung
dieser  Fundamente  —  das  hat  mit  vollem  Rechte  Herr  Graf  von  Mirbach
gesagt  —  ist  die  Vorbedingung  nicht  nur  der  preußischen,  sondern  auch
der  deutschen  Machtstellung.

(Lebhaftes  Bravo.)

Nachdem  Freiherr  von  Manteuffel  berichtigt  hatte,  daß  er  nicht  von  Unzufriedenheit
  in  konservativen,  sondern  von  Unzufriedenheit  in  ländlichen  Kreisen
gesprochen  habe,  erklärte

Ministerpräsident  Graf  von  Bülow:

Ich  nehme  mit  Dank  von  der  Richtigstellung  des  Herrn  Freiherrn
von  Manteuffel  Akt.  Er  wird  mir  aber  zugeben,  daß  aus  konservativen
Kreisen  Stimmen  lant  geworden  sind,  die  diese  meine  Annahme  und
Auffassung  erklären.

15.  Gegen  Bebel.
Sitzung  des  Reichstags  vom  5.  Dezember  1904.1)

Bei  der  Fortsetzung  der  ersten  Beratung  des  Reichshanshaltsetats  für  das
Rechnungsjahr  1905  hielt  der  Abgeordnete  Bebel  wieder  eine  mehrstündige  Rede
über  militärische  Fragen,  answärtige  Angelegenheiten  und  vieles  andere.  Ihm
antwortete

Reichskanzler  Graf  von  Bülow:

Meine  Herren,  was  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  soeben  über  Jena
gesagt  hat,  daß  das  deutsche  Volk  Anlaß  hätte,  das  Jubiläum  von  Jena  zu
feiern,  hat  mich  nicht  wundergenommen.  Es  stimmt  ja  dem  Sinne  nach
mit  dem  überein,  was  er  auf  dem  sozialdemokratischen  internationalen
Parteitage  in  Amsterdam  über  Sedan  gesagt  haben  soll

(sehr  richtig!  rechts),
daß  er  es  sich  wohl  gefallen  lassen  würde,  wenn  auch  wir  einmal  ein
Sedan  erlebten.

Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  weiter  gemeint,  die  Früchte  eines

großen  europäischen  Krieges  würde  in  erster  Linie  die  Sozialdemokratie

1)  Sten.  Ber.  d.  R.-T.,  11.  Leg.-Per.,  I.  Session  1903  1905,  105.  Sitzung.