112  15.  Gegen  Bebel.

davontragen.  Diese  Auffassung  halte  ich  für  richtig,  und  das  ist  ein
Grund  mehr,  warum  die  Regierungen  aller  großen  Länder,  wie  ich  hoffe,
festhalten  werden  an  ihrer  jetzigen  ruhigen  und  besonnenen  Friedenspolitik.
  Das  ist  aber  auch  der  innere  Grund  für  die  Art  und  Weise,
wie  die  Sozialdemokratie  sich  zu  dem  ostasiatischen  Konflikt  stellt.
Ich  habe  schon  im  vergangenen  Frühjahr  )  den  Aufsatz  eines  der  erleuchtetsten
  Köpfe  der  sozialdemokratischen  Partei  vorgelesen,  einer  Hauptfeder
der  sozialdemokratischen  Partei,  des  Herrn  Dr.  Kautsky,  wo  er  eingehend
darlegte,  daß  die  Sozialdemokratie  den  gegenwärtigen  ostasiatischen  Krieg
benutzen  müsse,  um  überall  den  Regierungsantritt  der  Sozialdemokratie,
die  Diktatur  des  internationalen  Proletariats  vorzubereiten.  Die  Sozialdemokratie
  will  ja  gar  nicht,  daß  wir  dem  ostasiatischen  Krieg  gegenüber
neutral  bleiben.  In  Wirklichkeit  möchte  die  Sozialdemokratie  uns  gegen
Rußland  verhetzen.  Sie  möchte  einen  Druck  der  öffentlichen  Meinung
hervorbringen,  um  unserer  auswärtigen  Politik  Schwierigkeiten  zu  bereiten,
um  uns  Hindernisse  in  den  Weg  zu  legen,  und  am  letzten  Ende  vielleicht,  um
ein  kriegerisches  Durcheinander  hervorzurufen,  wobei  eben  dann  der  Weizen
der  Sozialdemokratie  blühen  könnte.

Wenn  die  Sozialdemokratie  wirklich  eine  neutrale  Haltung  gegenüber
  dem  ostasiatischen  Kriege  wollte,  so  würde  der  Führer  dieser  Partei
sich  nicht  gegen  Rußland  in  solchen  Angriffen  ergehen,  wie  wir  sie
soeben  gehört  haben,  Angriffe,  die  im  direkten  Widerspruch  zu  der  neutralen
  Haltung  stehen,  die  wir  gegenüber  dem  ostasiatischen  Krieg  einzunehmen
  haben.  Von  einer  solchen  revolutionären  Einmischung  in  die
inneren  Verhältnisse  anderer  Länder  wollen  wir  aber  nichts  wissen.

(Sehr  richtig!  rechts.)

Wir  haben  gar  nicht  das  Recht,  in  die  inneren  russischen  Verhältnisse

  hineinzureden.

(sehr  wahr!  rechts);
die  gehen  uns  gar  nichts  an.  Die  gehen  uns  ebenso  wenig  etwas  an,
wie  die  Russen  unsere  Verhältnisse  angehen.  Wenn  wir  uns  jede  Einmischung
  des  Auslandes  auf  das  ernstlichste  verbitten,  so  haben  wir  auch
nicht  das  Recht,  bei  anderen  die  Fenster  einzuschmeißen.

(Zurufe  bei  den  Sozialdemokraten.  Sehr  richtig!  rechts.)

Sie  wollen  international  sein,  und  Sie  gefährden  die  internationalen
Beziehungen!
(Sehr  richtig!"  rechts  und  in  der  Mitte.)

2)  Am  29.  Febr.  1904:  vgl.  oben  S.  55.