Dezember  1904.  113

Sie  predigen  gegen  den  Krieg,  und  Sie  suchen  selbst  den  Krieg  herbei—
zuführen.

(Sehr  richtig!  rechts.)
Sie  nennen  unsere  ruhige  und  besonnene  Politik  eine  abenteuerliche
Politik,  die  überall  Händel  suche,  und  Sie  empfehlen  uns  eine  Politik,
die,  wenn  wir  sie  einschlagen  wollten,  uns  in  Schwierigkeiten  mit  aller
Welt  verwickeln  würde.

(Sehr  richtig!  rechts.)

Wenn  übrigens  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  sich  in  dieser  Weise
gegen  die  russische  Autokratie  echauffiert,  so  spottet  er  seiner  selbst  und
weiß  nicht,  wie.

(Sehr  gut!  rechts  und  in  der  Mitte.)
Die  im  vorigen  Jahre  hier  sattsam  erörterte  Art  und  Weise,  wie  der
geehrte  Herr  Abgeordnete  seine  eigene  Partei  leitet,  steht  ja  ungefähr
auf  der  Höhe  des  Zustands,  der  ihm  in  Rußland  nicht  gefällt.
(Große  Heiterkeit.)
Die  Freiheit,  die  er  seinen  Gesinnungsgenossen  und  den  publizistischen
Organen  seiner  Partei  einräumt,  die  gleicht  ungefähr  dem  Grade  von
Freiheit,  der  ihm  in  Rußland  nicht  genügt;  und  die  Ordnung  der  Dinge,
die  er  herbeiführen  möchte,  die  Zukunftsgesellschaft,  die  er  bei  uns
etablieren  will,  würde  jeden  Despotismus  in  den  Schatten  stellen.
(Zuruf  bei  den  Sozialdemokraten.)
Werden  Sie  erst  selbst  wirklich  liberal,  begreifen  Sie  erst
selbst  das  Wesen  wahrer  Freiheit,  bevor  Sie  unter  Störung
unserer  internationalen  Beziehungen  die  Freiheit  bei  anderen
importieren  wollen.
(Beifall  rechts.)

Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  ist  auch  auf  die  Zwischenfälle
eingegangen,  die  sich  im  vergangenen  Sommer  und  vor  einigen  Wochen
ereignet  haben:  die  Aufbringung  einiger  deutscher  Handelsschiffe
und  die  Beschießung  des  Geestemünder  Fischerdampfers  „Sonntag“.
Sobald  die  ersten  Nachrichten  über  diese  Zwischenfälle  bei  uns  eingetroffen
  waren,  haben  wir  sofort  eingegriffen.  Ich  freue  mich,  sagen
zu  können,  daß  die  russische  Regierung  unseren  berechtigte  Forderungen
sogleich  und  willig  entgegengekommen  ist.  So  ist  es  möglich  gewesen,
diese  Zwischenfälle  glatt  und  rasch  aus  der  Welt  zu  schaffen.

Sie  wissen,  meine  Herren,  daß  die  Fragen  des  Seerechts  und
Völkerrechts,  die  dabei  in  Betracht  kamen,  sehr  streitiger,  daß  sie  ver-Penzler,

  Fürst  Bülows  Reden  2c.  II.  8