118  15.  Gegen  Bebel.

schwedische,  ein  unbekanntes  und  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  auch
ein  deutsches  Fahrzeug  von  den  russischen  Schiffen  bombardiert
worden  sind,  bedeutet  es  die  gröblichste  Mißachtung  des  Völkerrechts,
  daß  nicht  sofort  alle,  auch  die  unbeteiligten  Staaten

—  also  auch  wir  —
gegen  das  Vorgehen  der  Russen  geharnischten  Protest  erhoben
resp.  den  Protest  Englands  zu  ihrem  eigenen  machten.

Nun,  meine  Herren  ich  hoffe,  daß  Sie  diese  Reizbarkeit  Ihres
Nationalgefühls  künftig  auch  bei  anderen  Gelegenheiten  zeigen  werden
(sehr  gut!  Bravo!  und  Heiterkeit),
und  ich  verstehe  nicht,  wie  unter  solchen  Umständen  der  Herr  Abgeordnete
Bebel  nicht  mit  beiden  Händen  für  die  Forderungen  meines  verehrten
Kollegen,  des  Kriegsministers  von  Einem,  stimmt.  Ich  erwarte,  daß  er

uns  die  Mittel  bewilligen  wird  zu  Lande  und  zu  Wasser

(Heiterkeit),
um  einer  so  kampfbereiten  Politik,  wie  er  und  sein  Leibblatt  uns  da
empfehlen,  den  nötigen  Rückhalt  zu  geben.
(Heiterkeit.)
Denn,  meine  Herren,  daß  es  mit  dem  großen  Mund  allein  nicht  getan
ist,  das  wird  mir  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  selber  zugeben.
(Sehr  richtig!  und  Heiterkeit.)

Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  auch  von  unserer  angeblichen
Würdelosigkeit  gesprochen  —  das  war,  glaube  ich,  der  Ansdruck,  den
er  gebrauchte;  er  liebt  ja  die  starken  Worte  —  also  von  unserer  angeblichen
  Würdelosigkeit,  von  unserem  Mangel  an  Selbständigkeit  gegenüber
  Rußland.  Davon  ist  keine  Rede.  Wir  wollen  uns  aber  auch
nicht  von  ihm  mit  Rußland  brouillieren  lassen.  Angriffe,  wie  sie  der
Herr  Abgeordnete  Bebel  soeben  gegen  Rußland  gerichtet  hat,  sind  doppelt
bedauerlich  während  eines  Krieges;  denn  gerade  während  eines  Krieges,
wo  die  Empfindungen,  die  Leidenschaften  geschärft  sind,  wo  die  Empfindlichkeit
  doppelt  groß  ist,  soll  sich  der  Unbeteiligte  des  Taktes  befleißigen

(sehr  richtig!  rechts)
—  eine  Gottesgabe,  die  freilich  unter  den  Menschen  verschieden  verteilt  ist.
(Sehr  gut!  und  Heiterkeit.)

Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  auch  den  Königsberger  Prozeß
berührt.  Uber  die  Voraussetzungen,  unter  denen  dieser  Prozeß  eingeleitet
worden  ist,  über  den  Gang  und  über  die  Modalitäten  dieses  Prozesses