Dezember  1904.  121

den  russischen  Freiheitskämpfern  zu  helfen,  —  und  jeder  Partei—
genosse  muß  sich  verpflichtet  halten,  die  Bestrebungen  der  russischen
Parteigenossen  durch  Einschmuggelnng  von  sozialdemokratischen
Schriften  zu  unterstützen.  —  Stürmischer  Beifall.  —  Nicht  nur
jeder  Parteigenosse,  sondern  auch  jeder  freisinnige  Mann  muß
dazu  beitragen,  daß  die  Bastille  des  Despotismus  gestürzt  werde,
und  daß  wir  bald  rufen  können:  Der  Zarismus  ist  tot  —  es
lebe  die  russische  Freiheit!
(Bravo!  bei  den  Sozialdemokraten.)
—  Stürmischer  langanhaltener  Beifall  —
—  wie  jetzt  bei  Ihnen.
(Große  Heiterkeit.)
In  derselben  Rede,  meine  Herren,  äußerte  Herr  Liebknecht  am
30.  Juli  über  die  Ermordung  des  russischen  Ministers  Plehwe:
Gestern  eilte  die  Kunde  durch  die  Stadt,  daß  der  Minister  von  Plehwe
tot  sei,  daß  der  Bluthund  von  Wilna  —  minutenlanger  tosender
Beifall  —  gerecht  gerichtet  worden  ist.
(Sehr  richtig!  bei  den  Sozialdemokraten.)
Der  Attentäter  von  gestern  ist  ebenso  mutig  gewesen,  wie  der
vor  wenigen  Tagen  in  Finnland.  Auch  hier  hat  der  Attentäter
das  eigene  Leben  aufs  Spiel  gesetzt.  Er  wollte  „das  Volk  vom
Tyrannen  befreien"“.  Das  war  Tells  Geschoß.  Ein  ehrendes
Andenken  ist  diesem  Helden  sicher.  Es  sind  edle  Menschen,  die
die  Bezeichnung  Heroen  verdienen.  Wir  haben  die  Pflicht,  die
russischen  Sozialdemokraten  zu  unterstützen,  und  ich  werde  ihnen
Schriften  schicken,  so  oft  ich  kann,  und  ich  bitte  alle  Sozialdemokraten,
  das  Gleiche  zu  tun.
Stürmischer,  langanhaltender  Beifall  folgte  diesen  Worten.

Und  da  wollen  Sie  bestreiten,  meine  Herren,  daß  Sie  zu  feindlichen
  Beziehungen  mit  Rußland  treiben?  Da  wollen  Sie  bestreiten,
daß,  wenn  Sie  das  Heft  in  die  Hand  bekämen,  daß,  wenn  Sie  machen
könnten,  was  Sie  wollten,  Sie  uns  in  Feindschaft  mit  der  russischen
Regierung  verwickeln  würden?  —  Wohlgemerkt,  nachdem  Sie  uns  vorher
  wehrlos  gemacht  hätten  durch  die  Einführung  Ihres  Milizsystems
und  alles  dessen,  was  Sie  zur  Desorganisation  unserer  Armee  planen!

(Bravok  rechts.)

Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  ist  auch  nicht  einverstanden  damit,
daß  ich  einen  englischen  Journalisten  empfangen  habe.  Ich  möchte