122  15.  Gegen  Bebel.

den  Herrn  Abgeordneten  Bebel  auf  zweierlei  aufmerksam  machen.  Ich
möchte  ihn  einerseits  darauf  hinweisen,  daß  ich  Herrn  Bashford  nichts
gesagt  zu  haben  glaube,  was  für  das  deutsche  Publikum  etwas  Neues  wäre.
(Sehr  richtig!  in  der  Mitte  und  bei  den
Nationalliberalen.)
Ich  habe  ihm  nur  das  gesagt,  was  nach  meiner  Ansicht  die  große
Mehrheit  der  verständigen  Deutschen  —  ich  unterstreiche  das  Wort
„verständig"  —  über  unser  Verhältnis  zu  England  denkt.  Zu  beurteilen,
  wann  und  wie  ich  es  für  richtig  und  zweckentsprechend  halte,  die
öffentliche  Meinung  anderer  Länder  zu  orientieren,  das  behalte  ich  mir
selber  vor.

Wenn  aber  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  weiter  gesagt  hat,  ich
hätte  diese  Darlegungen  im  Reichstage  machen  sollen,  so  glaube  ich,
daß  es  wenige  Minister  des  Außeren  gibt,  die  sich  so  oft  und  so  eingehend
  über  auswärtige  Fragen  aussprechen  wie  ich,  und  ich  glaube,
daß  mir  in  dieser  Beziehung  ein  begründeter  Vorwurf  nicht  gemacht
werden  kann.  Ich  bin  aber  nicht  ein  Feuerwerker,  der  zweimal  im
Jahre  aufzutreten  hat,  um  an  einen  bestimmten  Termin  ein  Feuerwerk
abzubrennen.

(Heiterkeit.)
Wann  und  wie  ich  über  Fragen  der  auswärtigen  Politik  überhaupt
sprechen  will,  der  Zeitpunkt,  den  ich  mir  aussuche,  um  über  auswärtige
Fragen  dies  oder  jenes  zu  sagen,  hängt  lediglich  ab  von  dem,  was  ich
im  Interesse  des  Landes  für  nützlich  und  zweckdienlich  halte,  und  das

bestimme  ich  selbst.
(Bravok  rechts.)

Der  Grund,  warum  ich  Herrn  Bashford  empfangen  habe,  als  er
den  Wunsch  aussprach,  mich  zu  sprechen,  war  die  unverkennbare  und
leidige  Tatsache,  daß  eine  gewisse  Anzahl  Publizisten  während  der  letzten
Monate  ihren  Platz  in  der  englischen  Presse  benutzte,  um  Unkraut  zu
säen  auf  den  Acker  der  deutsch-englischen  Beziehungen.  In  der  Politik
darf  man  aber  nicht  warten,  bis  der  himmlische  Gärtner  das  Unkraut
vom  Weizen  sondert,  da  muß  man  selbst  zugreifen  und  sich  der  oft  nicht
erquicklichen  Arbeit  des  Gärtners  unterziehen.  Darum  habe  ich  schon
im  November  —  es  muß  Anfang  November  gewesen  sein  —  Herrn
Bashford  empfangen,  der  dann  Anfang  Dezember  in  der  „Nineteenth
Century“  seine  Entrevue  veröffentlichte.  Ich  hielt  es  für  nützlich,  bald
zwei  von  den  stacheligsten  Disteln  auszuheben,  die  sich  in  der  letzten