124  15.  Gegen  Bebel.

Kriege  zurückkehrte,  würde  nicht  ohne  den  schwersten  und
dauerndsten  Schaden  die  friedliche  Arbeit  wieder  aufnehmen.
(Sehr  richtig!)

Und  zu  diesem  Schaden  rechne  ich  nicht  nur  was  während
des  Krieges  passiert.  Ich  rechne  auch  dazu  die  Folgen  des
Hasses,  der  Erbitterung,  die  sich  oft  noch  Jahrzehnte  nach
beendigtem  Kriege  geltend  machen,  die  oft  noch  lange  nachher
  hypnotisierend  auf  die  ehemaligen  Gegner  wirken.
Frankreich  und  Deutschland  wissen  davon  ein  Lied  zu  singen.

Meine  Herren,  wenn  ich  aus  dieser  Darlegung  die  praktische  Nutzanwendung
  ziehen  soll,  so  ist  es  diese:  Ich  wiederhole  auch  vor  diesem
Hause:  ich  kann  mir  nicht  denken,  daß  der  Gedanke  eines
deutsch-englischen  Krieges  bei  den  vernünftigen  Leuten  in
beiden  Ländern  ernstlichen  Anklang  finden  sollte.  Sie  erwägen
nüchtern  den  ungeheuren  Schaden,  den  auch  bei  günstigstem  Ausgang  ein
solcher  Krieg  über  das  eigene  Land  bringen  würde,  und  die  Rechnung
ergibt,  daß  der  Einsatz  für  die  sicheren  Verluste  viel  zu  hoch  ist.  Deshalb,
  meine  Herren,  nehme  ich  für  meinen  Teil  die  Feindseligkeiten  eines
Teils  der  englischen  Presse  nicht  zu  tragisch.  Ich  hoffe,  die  Schicksale
  beider  Länder  werden  immer  von  den  kühlen  Köpfen
bestimmt  werden,  die  wissen,  daß  Deutschland  und  England
nicht  nur  für  die  Gegenwart,  sondern  für  alle  Zukunft,  soweit
  sie  dem  menschlichen  Auge  erkennbar  ist,  mit  einer  Aufrechterhaltung
  der  gegenwärtigen  friedlichen  Beziehungen  am
besten  gedient  ist.

(Lebhafter  allseitiger  Beifall.)

Meine  Herren,  von  zwei  Seiten  ist  die  Lage  der  Dinge  in  Südwestafrika
  berührt  worden.  Ich  freue  mich,  daß  mir  Gelegenheit
geboten  wird,  mich  über  die  dortige  Situation  vor  Ihnen  und  vor  dem
Lande  auszusprechen.  Als  im  vergangenen  Jahre  die  ersten  Nachrichten
über  den  Aufstand  der  Herero  bei  uns  eintrafen,  habe  ich  von  dieser
Stelle  aus  der  Zuversicht  Ausdruck  gegeben,  daß  das  über  Südwestafrika
  hereingebrochene  Unglück  das  deutsche  Volk  und  seine  Vertretung
einmütig  finden  würde,  einmütig  zum  Schutze  unserer  bedrängten  Ansiedler,
  einmütig  zur  Wahrung  der  Ehre  unserer  Flagge.  Ich  habe
gleichzeitig  gesagt,  daß  wir  nicht  ruhen  würden,  bis  die  Aufrührer,  die
ihre  Hand  gegen  die  deutsche  Herrschaft  erhoben,  in  ihre  Schranken
zurückgewiesen  wären.  Ich  habe  gesagt,  daß  wir  nicht  daran  dächten,