126  15.  Gegen  Bebel.

Tüchtigkeit  und  der  Todesverachtung  seiner  Offiziere,  wenn  die  Kam—
pagne  im  Hererolande  jetzt  in  der  Hauptsache  als  beendigt  angesehen
werden  kann.  Der  Widerstand  der  Hereros  erscheint  gebrochen,  dank  vor
allem  der  Energie  unserer  Truppen,  die  sich  nach  jedem  Gefecht  dem
Feinde  wieder  an  die  Ferse  hefteten.

Allerdings  ist  unseren  Truppen  eine  neue  und  schwere  Aufgabe  gestellt
  worden,  und  hat  ein  neuer  und  schwerer  Schlag  Südwestafrika
getroffen  durch  den  Aufstand  der  Witbois  und  unserer  Hottentottenstämme.
  Dadurch  ist  anch  in  dem  bisher  verschont  gebliebenen  Süden
unseres  Schutzgebietes  manche  in  harter  Arbeit  zur  Blüte  gebrachte
Heimstätte  zerstört  worden,  haben  wir  den  Verlust  mancher  Menschenleben
  zu  beklagen.  Der  General  von  Trotha  hat  so  rasch  als  möglich
alle  disponiblen  Truppen  nach  dem  Schauplatz  der  Unruhen  geschickt.
Wir  haben  das  Vertrauen  zu  unsern  Lenten,  daß  sie  auch  dort  tun
werden,  was  ihnen  möglich  ist,  um  die  in  Not  befindlichen  Ansiedler
zu  retten  und  den  Aufständischen  die  Auflehnung  gegen  die  deutsche
Herrschaft  ein  für  allemal  zu  verleiden.

Meine  Herren,  was  nun?  Vor  allem  handelt  es  sich  darum,  in
dem  verwüsteten  Gebiet  Ruhe  und  Ordnung,  Sicherheit  für  Leben  und
Eigentum  wiederherzustellen.  Das  sind  die  unerläßlichen  Voraussetzungen
für  die  Wiederaufnahme  jedes  geordneten  Wirtschaftsbetriebes.

Eins  aber  möchte  ich  ausdrücklich  sagen.  Wir  sind  weder  zu  grausam,
  noch  sind  wir  so  töricht,  die  einzige  Möglichkeit  der  Wiederstellung
geordneter  Zustände  darin  zu  erblicken,  daß  die  jetzt  aus  den  Wüsteneien
des  Sandfeldes  hervorströmenden,  halb  verhungerten  und  verdursteten
Hererobanden  erbarmungslos  niedergeknallt  werden.  Davon  kann  keine
Rede  sein.  Gewiß,  meine  Herren,  ich  halte  es  für  unsere  heilige  Pflicht,
die  Wiederkehr  eines  solchen  Aufstandes  für  alle  Zeit  unmöglich  zu
machen.  Ich  glaube,  daß  in  Zukunft  keine  Feuerwaffe  in  den  Händen
eines  Eingeborenen  bleiben  darf.

(Sehr  richtig!  rechts  und  bei  den  Nationalliberalen.)

Ich  bin  auch  der  Ansicht,  daß  die  Organisation  der  Kapitänschaften
die  allein  die  Geheimhaltung  der  weitverzweigten  Vorbereitungen  des
Aufstandes  ermöglicht  hat,  nicht  wieder  anfleben  darf.  Wir  werden
uns  vielleicht  genötigt  sehen,  die  Eingeborenen  behufs  besserer  Uberwachung
  in  Reservate  zu  überweisen.  Aber  von  einer  Ausrottung  der
Eingeborenen  kann,  abgesehen  von  allen  Gründen  der  Menschlichkeit,
die  wir  immer  hochhalten  werden,  schon  aus  der  praktischen  Erwägung