Dezember  1904.  127

heraus  nicht  die  Rede  sein,  daß  wir  die  Eingeborenen  für  jede  Art  des
wirtschaftlichen  Betriebes  in  Südwestafrika,  für  die  Landwirtschaft,  für
die  Viehzucht  und  insbesondere  für  den  Bergbau  gar  nicht  entbehren
können.  Auch  darüber  wird  kaum  ein  Zweifel  obwalten  können,  daß
wir  in  Südwestafrika  eine  Truppenmacht  halten  müssen,  die  stark
genug  ist,  um  jeden  neuen  Aufstandsversuch  im  Keime  zu  ersticken.

Meine  Herren,  nun  hat  der  Herr  Reichstagsabgeordnete  Bebel  auch
wieder  gesagt,  der  Wert  von  Südwestafrika  sei  ein  sehr  geringer,  Südwestafrika
  sei,  wie  ich  schon  mehr  als  einmal  in  der  ihm  nahestehenden
Presse  gelesen  habe,  eine  Sandwüste,  die  aller  für  sie  gemachten  Aufwendungen
  spotte.  Das  ist  nicht  die  Ansicht  der  Kenner  des  Landes,
nicht  die  Ansicht  derjenigen,  die  bereit  sind,  dort  ihre  eigene  Haut  und
ihr  eigenes  Geld  zu  Markte  zu  tragen.  Die  Untersuchung  der  mineralischen
  Bodenschätze  —  ich  will  von  allem  absehen,  was  nicht  zweifellos
feststeht  —  hat  das  Ergebnis  geliefert,  daß  eine  Gesellschaft  sich  bereit
erklärt  hat,  ohne  Reichszuschuß,  ohne  Landüberweisungen  auf  eigene
Kosten  eine  Bahn  von  Swakopmund  nach  den  Kupferlagern  von  Otavi
in  der  Länge  von  500  bis  600  Kilometern  zu  bauen.  Wenn  diese
Bahn,  deren  Kosten  auf  etwa  16  Millionen  Mark  berechnet  sind,  fertiggestellt
  sein  wird,  dann  wird  diese  Privatbahn  die  größte  bisher  vollendete
  deutsche  koloniale  Eisenbahn  sein.  Hinter  dieser  Gesellschaft
stehen  große  Banken,  die  nicht  gewohnt  sind,  ihr  Geld  à  konds  perdu
herzugeben.  Und  was  die  landwirtschaftliche  Qualifikation  von  Südwestafrika
  angeht,  so  sind  alle  Kenner  des  Landes,  die  ich  gesprochen  habe,
darüber  einig,  daß  weite  Flächen  des  Bodens  von  Südwestafrika  um
nichts  schlechter  sind  als  der  Boden  des  benachbarten  britischen  Südafrika.
  Die  Forschritte,  die  Farmwirtschaft  und  Viehzucht  vor  dem
Beginn  des  Aufstandes  gemacht  haben,  sind  uns  ein  Unterpfand  dafür,
daß  auf  die  Länge  dem  Fleiß  unserer  Ansiedler  nicht  versagt  werden
wird,  was  Briten  und  Buren  in  Südafrika  gelungen  ist.

(Sehr  richtig!)

Meine  Herren,  einen  Punkt  möchte  ich  noch  berühren.  Eines  ist
notwendig,  wenn  wir  den  wirtschaftlichen  Aufbau  von  Südwestafrika
  sichern  wollen:  daß  wir  der  Kolonie  diejenigen  Leute  erhalten,
die  in  jahrelanger,  mühsamer  Arbeit  sich  dort  eine  eigene  Heimstätte
und  einen  gewissen  Wohlstand  erworben  hatten,  bevor  der  Aufstand
ihnen  alles  nahm.

(Lebhaftes  mehrseitiges  Sehr  richtig!)