134  15.  Gegen  Bebel.

auf  dem  Regensburger  Reichstag.  Der  sagte,  gerade  so  wie  heute  der
Herr  Abgeordnete  Bebel,  wenn  der  Reichspfennig  verlangt  wurde,  der
Reichspfennig  sei  primo  modo  unerschwinglich,  und  nachher  kamen  die
Franzosen  und  preßten  uns  zehnmal  mehr  ans,  als  was  primo  modo
für  unerschwinglich  erklärt  worden  war.

(Heiterkeit.)

Und  auch  in  der  Konfliktszeit,  in  den  fünfziger  und  sechziger  Jahren
hieß  es  immer,  es  wäre  kein  Geld  da  für  militärische  Zwecke.
Was  wäre  aus  uns  geworden,  wenn  dieser  Standpunkt  damals
die  Oberhand  gewonnen  hätte!
(Sehr  wahr!  rechts.)

Nur  gegen  die  eine  Behauptung  des  Abgeordneten  Bebel  will  ich  mich
noch  wenden,  das  deutsche  Volk  mache  unverhältnismäßige  Ausgaben  für
militärische  Zwecke.  Ich  habe  hier  eine  Übersicht  vor  mir  liegen  über
die  Ausgaben,  welche  die  verschiedenen  Länder  im  Verhältnis  zu  ihrer
Einwohnerzahl  für  militärische  Zwecke  machen.  Ich  habe  sie  entnommen
einem  gut  geschriebenen  Aufsatz  des  Generalleutnants  von  Pelet-Narbonne,
der  mir  vor  einigen  Tagen  vorgelegt  worden  ist;  die  Zahlen  sind  aus
dem  Bericht  eines  französischen  Berichterstatters,  was  nach  dem,  was
der  Herr  Abgeordnete  Bebel  eben  ausgeführt  hat,  ihm  besonderes  Vertrauen

  einflößen  wird.
(Heiterkeit.)

Danach  konstatiere  ich,  daß  Frankreich  jährlich  für  sein  Heer  ausgibt
1270000000,  Deutschland  1200000000,  Großbritannien  1560000000,
Rußland  1200000000  Franks.  Rechnet  man  für  Frankreich  die  Pensionen,
  das  Budget  der  Ehrenlegion,  die  Kosten  anderer  Ministerien,
die  lediglich  militärischen  Zwecken  dienen,  wie  z.  B.  die  militärische
Organisation  der  Grenzwachen  hinzu,  so  beläuft  sich  die  Gesamtsumme
seiner  Ausgaben  für  militärische  Zwecke  auf  über  dreizehnhundert
Millionen  Franks.  Von  den  Gesamtausgaben  des  Staates  verwendet
Frankreich  für  militärische  Zwecke  35,  Rußland  25,  Italien  22,  Deutschland
  nur  20  Prozent.  Also  davon  kann  keine  Rede  sein,  daß  wir  nicht
können.  Es  fragt  sich  nur,  ob  wir  wollen.  Sie  werden  niemand  einreden
  können,  daß  ein  Volk,  das  jährlich  —  das  konstatiere  ich  hier
öffentlich  —  drei  Milliarden  für  geistige  Getränke  ausgibt,  nicht  imstande
  sein  soll,  1200  Millionen  als  Versicherungsprämie  für  seine  Sicherheit
  aufzubringen.
(Sehr  richtig  rechts.)