Dezember  1904.  135

Wenn  Sie,  Herr  Bebel,  die  Summen  für  die  Erhaltung  unserer
Wehrpflicht,  die  nach  der  Uberzeugung  der  verbündeten  Regierungen  das
Minimum  dessen  bedeuten,  was  wir  für  unsere  Sicherheit  brauchen,
nicht  bewilligen  wollen,  so  sagen  Sie  wenigstens  offen,  Sie  lassen
es  auf  das  Risiko  eines  Krieges  und  bei  einer  dann  mangelhaften
  Rüstung  auf  das  Risiko  eines  unglücklichen  Krieges
ankommen.

(Zuruf  bei  den  Sozialdemokraten.)

Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  soeben  gesagt,  daß  das  französische
Offizierkorps  und  der  französische  Generalstab  auf  der  Höhe  des
deutschen  Offizierkorps  und  des  deutschen  Generalstabs  ständen.  Dem
widerspreche  ich  nicht.  Ich  habe  alle  Hochachtung  vor  dem  französischen
Offizierkorps.  Aber  wenn  Sie  gleichzeitig  die  Revauchegelüste  in  Betracht
  ziehen,  die  in  Frankreich  noch  immer  vorhanden  sind  —  darüber
werden  Ihre  dortigen  Freunde  Sie  doch  wohl  informiert  haben;  ich
erinnere  nur  an  alle  Mühe,  die  sich  in  dieser  Richtung  Herr  Jaures
gegeben  hat  —,  so  werden  Sie  mir  zugeben  müssen,  daß  auch  wir  das
Recht  haben,  für  unsere  Sicherheit  zu  sorgen.  Sagen  Sie  also  nicht,
daß  wir  die  Mittel,  die  wir  für  unsere  Sicherheit  brauchen,  nicht  aufbringen
  können;  denn  das  trifft  nicht  zu.
(Lebhafter  Beifall.)

16.  Handelsverträge.
Sitzung  des  Reichstags  vom  9.  Dezember  1904.1)

Vor  dem  Eintritt  des  Reichstags  in  die  Tagesordnung  machte  der  Reichskanzler
  folgende  Mitteilung.

Reichskanzler  Graf  von  Bülow:

Meine  Herren,  die  Verbündeten  Regierungen  hatten  die  Absicht,
die  mit  Rußland,  Rumänien,  Belgien,  Italien,  der  Schweiz  und  Serbien
vereinbarten  Handelsverträge  diesem  hohen  Hause  nach  dem  Schluß  der
ersten  Lesung  des  Etats  vorzulegen.  Die  Verhandlungen  mit  Osterreich-Ungarn
  waren,  wie  den  Herren  bekannt  ist,  auf  einen  toten  Punkt  gelangt
  und  mußten  wegen  erheblicher  Meinungsverschiedenheiten  abge-1)

  Sten.  Ber.  d.  R.-T.,  11.  Leg.-Per.,  I.  Session  1903.05,  108.  Sitzung.