Dezember  1904.  139

machte  den  Regisseur.  Der  Reichsgerichtsrat  Spahn
—  ich  bitte  nochmals  um  Entschuldignng  —

illustrierte  die  deutsche  Klassenjustiz  in  Permanenz  durch  einen

niederträchtigen  Staatsstreich,  und  der  beschäftigungslose  Advokat

und  Streber  Bassermann
(Heiterkeit)

gab  zum  ersten  Male  in  seinem  Leben  einen  juristischen  Kommentar.

Es  ist  heute  überflüssig,  an  die  schamlosen  Bubenstücke,  an  die

infame  Affenbosheit  dieses  parlamentarischen  Gesindels  zu  erinnern

(große  Heiterkeig),
das  damals  wie  eine  Sauherde
(große  Heiterkeit)
in  die  Geschäftsordnung  und  Verfassung  hereinbrach  und  niedertrampelte,
  was  ihm  im  Wege  war.
(Große  Heiterkeit.)
Und  die  Herren,  die  sich  einer  so  geschmackvollen  Tonart  befleißigen,
die  machen  mir  Vorhaltungen  über  meinen  Ton!
(Heiterkeit.)

Der  Herr  Abgeordnete  von  Vollmar  hat  weiter  gemeint,  ich  hätte
kein  Verständnis  für  die  Sozialdemokratie.  Ich  verfolge  im  Gegenteil
mit  Aufmerksamkeit  die  Vorgänge  in  der  sozialdemokratischen  Partei
und  mit  ganz  besonderer  Aufmerksamkeit  die  Haltung  eines  so  gewiegten
Politikers  und  Parlamentariers,  wie  es  der  Herr  Abgeordnete  von
Vollmar  ist,  und  seiner  näheren  Freunde.  Vor  zwei  Jahren,  meine
Herren,  wurden  ja  in  manchen  Kreisen  Erwartungen  an  den  Revisionismus
  geknüpft.  Wie  der  edle  Posa  in  Schillers  Don  Carlos
vor  den  bösen  König  Philipp,  so  trat  damals  der  Revisionismus  vor
den  Führer  der  sozialdemokratischen  Partei:  „Geben  Sie  Gedankenfreiheit,
  Sire!“

(Große  Heiterkeit.)
Der  dachte  aber:  „Sonderbarer  Schwärmer!“
(Erneute  große  Heiterkeit.)
Er  gab  keine  Gedankenfreiheit,  er  ließ  durch  seinen  Freund,  Herrn
Kautsky,  erklären,  in  der  sozialdemokratischen  Partei  sei  sogar  das
Anzweifeln  der  gerade  herrschenden  Meinung  gefährlich  und  nicht  erlaubt.
(Zuruf  bei  den  Sozialdemokraten.)

—  Ich  werde  Ihnen,  Herr  Bebel,  wenn  Sie  gestatten,  den  Artikel
übersenden,  ich  habe  ihn  nicht  mehr  wörtlich  im  Gedächtnis.  Jedenfalls