142  17.  Abgeordneter  von  Vollmar.

Abgeordnete  von  Vollmar  genötigt  hat,  dieses  Thema  noch  einmal  anzuschneiden,
  so  füge  ich  hinzu,  daß  ich  zu  meinem  Bedauern  nicht  das
Gleiche  von  unserer  Witzpresse  sagen  kann.  Gerade  so,  wie  unsere
Witzpresse  während  des  südafrikanischen  Krieges  maßlos  heftig  und  unverständig
  war  und  ihr  Witz  oft  in  Schmähungen  ausartete,  so  läßt
sich  auch  jetzt  beobachten,  wie  sie  gegenüber  dem  ostasiatischen  Kriege
den  einen  der  beiden  Gegner  wegen  seiner  bisherigen  Unglücksfälle  mit
einem  Hohn  und  Spott  verfolgt,  der  doppelt  bedauerlich  ist  angesichts
der  von  diesem  Gegner  bewiesenen  Tapferkeit.
(Bravok  rechts.)
Die  Freiheit,  die  ich  der  Witzpresse  im  übrigen  gern  gönne  —  über
mich  mögen  sie  schreiben,  was  sie  wollen
(Heiterkeit),
da  gebe  ich  ihnen  Maskenfreiheit
(Heiterkeit)  —,
diese  Freiheit  muß  ihre  Grenze  finden  in  einem  gewissen  Maß
von  politischer  Einsicht,  das  verbietet,  beim  Unglück  anderer
schadenfroh  zu  sein,  das  verhindert,  dem  Auslande  durch  bösartige
  Illnstrationen  Material  zu  Hetzereien  gegen  das
deutsche  Volk  zu  liefern.
(Sehr  wart!  rechts,  in  der  Mitte  und  bei  den
Nationalliberalen.)

Solche  bösartigen  Illustrationen,  solche  rohen  Witze  können  —  das
kann  ich  Sie  versichern  —  oft  mehr  Schaden  anrichten  als  ein  leidenschaftlicher
  Artikel  oder  selbst  als  Reden,  wie  wir  sie  bisweilen  von  der
äußersten  Linken  gehört  haben.  Ich  vermag  auch  keinen  mildernden  Umstand
  darin  zu  erkennen,  daß  solche  Zeichnungen  bei  uns,  wie  ich  wohl
weiß,  meist  von  blutigen  Nichtpolitikern  entworfen  oder  inspiriert  werden.
Was  der  Deutsche  in  der  Bundestagszeit  über  seine  Nachbarn  dachte,
das  war  diesen  ziemlich  egal,  das  hatte  in  der  Tat  auch  keine  große
Bedeutung.  Heute  ist  das  anders.  Heute  muß  die  Nation  die  Fenster
ersetzen,  die  ihre  Presse  einschmeißt.  Dieses  Gefühls  der  Mitverantwortlichkeit
  für  den  Gang  unserer  auswärtigen  Politik  müssen  wir  uns  noch

mehr  bewußt  werden.
(Beifall  rechts.)

Der  Herr  Abgeordnete  von  Vollmar  hat  auch  gemeint,  die  Sozialdemokratie
  wolle  keinen  Krieg  mit  Rußland.  Ja,  dann  mußte
der  Herr  Abgeordnete  von  Vollmar  damit  anfangen,  den  Herrn