144  17.  Abgeordneter  von  Vollmar.

Der  Herr  Abgeordnete  von  Vollmar  hat  auch  dunkle  Andeutungen
gemacht,  oder  vielmehr  er  hat  sich  auf  Andeutungen  des  Herrn  Abgeordneten
  Bebel  bezogen,  die  mir  darauf  hinauszukommen  schienen,  als
ob  wir  Rußland  gegenüber  durch  irgend  einen  als  pudendum
zu  behandelnden  Vertrag  gebunden  wären.  In  dem  offiziellen
Organ  der  sozialdemokratischen  Partei  habe  ich  dieselbe  Behauptung
gelesen.  Mit  Erlaubnis  des  Herrn  Präsidenten  möchte  ich  diese  wenigen
Zeilen  vorlesen.  Da  heißt  es:

Das  Verhalten  des  Reichskanzlers  Grafen  Bülow  im  Reichstag
gegenüber  den  kurzen  Andeutungen,  die  Genosse  Bebel  über  den
Königsberger  Prozeß  gemacht  hat,  beweist  zur  Genüge,  daß  die
gegenwärtige  Regierung  im  Russendienst  völlig  verstockt  und  unrettbar
  verstrickt  ist.  Der  langjährige  frühere  englische  Botschafter
in  Berlin,  White,  hat  neulich  in  einer  englischen  Zeitschrift  behauptet,
  daß  er  ganz  sicher  wisse,  es  sei  ein  geheimer  Vertrag
zwischen  Rußland  und  Deutschland  abgeschlossen  worden.  Alle
Anzeichen  sprechen  dafür,  daß  ein  solcher  Vertrag  in  der  Tat
existiert,  und  daß  er  einen  so  skandalösen,  auch  die  inneren  Verhältnisse
  der  beiden  Länder  berührenden  Inhalt  hat,  daß  Deutschland
  durch  diesen  Vertrag  an  Rußland  sklavisch  gebunden  ist.
Man  hat  fast  den  Eindruck,  als  ob  die  erstaunliche,  bis  zur
Würdelosigkeit  gesteigerte  Willfährigkeit  gegenüber  Rußland  daraus
zu  erklären  ist,  daß  man  vor  unangenehmen  Enthüllungen  Rußlands
  sich  fürchtet.  Man  hat,  so  scheint  es,  mit  dem  Geheimvertrag
  Rußland  eine  Waffe  gegen  Deutschland  selbst  in  die  Hand
gegeben  —

meine  Herren,  ich  bin  kein  unbescheidener  Mensch  —  aber  halten  Sie

mich  wirklich  für  einen  so  kolossalen  Ochsen?

(große,  allgemeine  Heiterkeit)

—  Rußland  eine  Waffe  gegen  Deutschland  selbst  in  die  Hand
gegeben,  die  uns  nicht  nur  zu  den  schändlichen  Russendiensten
verpflichtet,  sondern  auch  der  Regierung  die  Möglichkeit  nimmt,
sich  von  dem  Joch  zu  lösen.  Vielleicht  gewinnen  die  Freisinnigen
wenigstens  die  Energie,  bei  dieser  Gelegenheit  nach  dem  geheimen
Vertrag,  der  zwischen  Preußen  und  Rußland  abgeschlossen  ist,  sich
zu  erkundigen.

Meine  Herren,  was  die  Herren  von  der  Freisinnigen  Partei  tun  werden,
das  weiß  ich  nicht.  Ich  selber  möchte  aber  das  Nachstehende  sagen.