Januar  1905.  147

Serbien  —  Handelsverträge  zu  vereinbaren,  ein  Erfolg,  der  bekanntlich
vorher  von  manchen  Seiten  für  ausgeschlossen  gehalten  wurde.  Mit
Osterreich-Ungarn  sind  die  Handelsvertrags-Verhandlungen  so  weit
gefördert  worden,  daß  es  sich  in  den  nächsten,  wie  ich  glaube  in  den
allernächsten  Tagen  entscheiden  muß,  ob  wir  auch  mit  diesem  Lande  zu
dem  erwünschten  Abschluß  kommen  werden.  Wenn  wir  die  sechs  fertig—
gestellten  Handelsverträge  dem  Reichstage  vorlegen  würden,  bevor  die
Situation  mit  Osterreich-Ungarn  in  der  einen  oder  in  der  anderen
Richtung  vollständig  geklärt  worden  ist,  so  würden  wir  die  Verhandlungen
mit  diesem  Lande  in  hohem  Grade  erschweren.  Ich  glaube,  daß  doch
niemand  in  diesem  Hohen  Hause  bestreiten  wird,  daß  der  Abschluß  der
Handelsverträge,  welche  für  lange  Zeit  hinaus  die  feste  Grundlage
für  unsere  wirtschaftliche  und  auch  für  unsere  politische  Stellung  bilden
sollen,  ein  Werk  von  der  allergrößten  Bedeutung  ist.  Wenn  ich  die
Vollendung  dieses  Werkes  im  letzten  Augenblicke  lediglich  aus  dem
Grunde  gefährdet  hätte,  um  die  parlamentarische  Verhandlung  der
Handelsverträge  um  acht  oder  vierzehn  Tage  früher  ermöglichen  zu
können,  so  wäre  das  nach  meiner  Ansicht  unverantwortlich  gewesen.

(Sehr  richtig!  links.)

Durch  ein  solches  Vorgehen  hätte  ich  vielleicht  hier  und  da  für  den
Augenblick  Beifall  gefunden;  ich  würde  aber  für  später  eine  große
Verantwortung  auf  mich  geladen  und  mich  für  die  Zukunft  dem  Vorwurf,
  dem  berechtigten  Vorwurf  ausgesetzt  haben,  daß  ich  aus  libereilung
  oder  Ungeduld  oder  dem  Drängen  einzelner  mir  nahestehender
Politiker  aus  den  Parlamenten  folgend,  schwerwiegende  wirtschaftliche
Interessen  gefährdet  hätte.  Die  Frage  der  Kündigung  der  Handelsverträge
  wird  dadurch  gegenstandslos  werden,  daß  wir  sechs  Handelsverträge
  fertiggestellt  haben  und  hoffentlich  auch  den  siebenten  in  kürzester
Frist  unter  Dach  und  Fach  bringen  werden,  und  daß  in  diesen  Handelsverträgen
  Bestimmungen  über  den  Zeitpunkt  ihres  Inkrafttretens  enthalten
  sind.  Ich  möchte  noch  eins  hinzufügen:  Handelsverträge  rasch
abzuschließen,  ist  kein  diplomatisches  Kunststück;  dazu  braucht  man  nur
Konzessionen  zu  machen.  Wenn.  wir  aber  Handelsverträge  zustande
bringen  wollen,  mit  denen  unsere  Landwirtschaft  und  auch  unsere  Exportindustrie
  leben  kann,  so  mußte  das  Terrain  Schritt  für  Schritt  erobert
werden.

Die  wirtschaftliche  Politik  der  verbündeten  Regierungen  ist  auch  in
den  Handelsvertragsverhandlungen  von  dem  Bestreben  geleitet,  festzu-10

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