148  18.  Handelsverträge.  —  Ostmarkenfrage.

halten  an  den  beiden  wohlbewährten  Grundsätzen,  einerseits  des  Schutzes
der  nationalen  Arbeit,  andererseits  der  Erneuerung  langfristiger  Handelsverträge.
  Die  Erfahrung  der  letzten  zehn  Jahre  hat  bewiesen,  daß  dieses
Ziel  im  wesentlichen  für  Handel  und  Industrie  erreicht  ist,  nicht  aber
für  die  Landwirtschaft

(sehr  richtig!  rechts),

und  daß  für  die  Landwirtschaft  eine  Erhöhung  des  Schutzes  unbedingt
notwendig  ist.  Dieser  verstärkte  Schutz  für  die  Landwirtschaft  soll  nach
der  Ansicht  der  Königlichen  Staatsregierung  die  Signatur  der  neuen

Handelsverträge  bilden.
(Bravol  rechts.)

Wir  durften  aber  dabei  nicht  die  Möglichkeit  aus  den  Augen  verlieren,
auch  die  Interessen  unseres  Handels  und  unserer  Industrie  entsprechend
wahrzunehmen.

Meine  Herren,  ich  glaube,  daß  die  Schwierigkeiten  solcher  Vertragsverhandlungen
  von  manchen  Seiten  doch  erheblich,  daß  sie  an
manchen  Stellen  ungeheuer  unterschätzt  werden.  Ich  kann  Sie  versichern,
  daß  die  mit  den  Handelsvertragsverhandlungen  betrauten  Ressorts,
die  daran  beteiligten  Männer,  insbesondere  die  beiden  Herren  Staatssekretäre
  des  Innern  und  des  Außern,  summam  diligentiam  prästieren,
daß  sie  mit  voller  Dampfkraft  arbeiten,  daß  sie  für  ihre  Arbeit  Anerkennung
  verdienen.  Und  deshalb  möchte  ich  an  dieses  Hohe  Haus  die
Bitte  richten,  die  ohnehin  schwierigen  Verhandlungen  nicht  noch  schwieriger
zu  gestalten  durch  ein  zu  scharfes  Drängen  oder  durch  Erörterung  von
Einzelheiten,  auf  die  ich  in  der  gegenwärtigen  Lage  unmöglich  eingehen
kann.  Ich  bitte  Sie,  zu  der  Königlichen  Staatsregierung  und  zu  den
verbündeten  Regierungen  das  Vertrauen  zu  haben,  daß  sie  in  dieser  für
unsere  Zukunft  hochwichtigen  Frage  die  Interessen  des  Landes  und  aller
Erwerbsstände  gewissenhaft  wahrnehmen  werden.

Ich  muß  mich  jetzt  mit  einigen  Worten  zu  dem  wenden,  was  der
Herr  Vorredner,  der  Abgeordnete  Herold,  über  die  Ostmarkenfrage
gesagt  hat.  Der  Herr  Vorredner  hat  gemeint,  unsere  Maßnahmen
seien  daran  schuld,  daß  unsere  gemischtsprachigen  Provinzen  noch  immer
nicht  zur  Ruhe  kommen  könnten.  Darauf  erwidere  ich  ihm,  daß  niemand
  aufrichtiger  die  Beruhigung  der  nationalen  Gegensätze  in  den  gemischtsprachigen
  Provinzen  wünscht  als  die  Königliche  Staatsregierung.
Uns  mit  den  polnischen  Herren  herumzustreiten,  macht  uns  gar  kein  Vergnügen.
  Sobald  uns  die  großpolnische  Agitation  in  Ruhe