150  18.  Bergarbeiterstreik.

Das  sind  tempi  passati.  Etwas  haben  wir  doch  gelernt,  dazu  haben
wir  zu  oft  gesehen,  wohin  die  großpolnische  Agitation  führt,  sobald
ihr  nicht  von  der  Regierung  und  von  der  deutschen  Bevölkerung  mit
Festigkeit  und  Folgerichtigkeit  entgegengetreten  wird.

Meine  Herren,  der  Herr  Abgeordnete  Herold  hat  endlich  den
Streik  im  Ruhrgebiet  zur  Sprache  gebracht,  der  in  eine  ernste  Phase
getreten  ist.  Der  Herr  Handelsminister  will  Ihnen  die  Sachlage  im
Ruhrrevier  im  einzelnen  darlegen.  Ich  möchte  für  meine  Person  und
schon  für  heute  folgendes  sagen.  Bei  Streiks  haben  nach  meiner  Ansicht
  die  Behörden  eine  doppelte  Pflicht.  Sie  haben  vor  allem  die  Aufgabe,
  dafür  einzustehen,  daß  unter  allen  Umständen  Ordnung  und  Ruhe
aufrecht  erhalten  bleiben,  dafür  zu  sorgen,  daß  die  Gesetze  gleichmäßig
und  gerecht  zur  Anwendung  gebracht  werden.

(Sehr  richtig!  bei  den  Nationalliberalen.)

Sie  haben  aber  auch  alles  zu  tun,  was  in  ihren  Kräften  steht,  um  eine
Einigung  zwischen  Arbeitgebern  und  Arbeitnehmern  im  Interesse  des
sozialen  Friedens,  im  Interesse  des  Gedeihens  der  Industrie  und  des
Wohles  der  Arbeiter  herbeizuführen.
(Sehr  richtig!)
Deshalb  bin  ich  gern  bereit  gewesen,  die  Behörden  zu  einer  solchen  vermittelnden
  Tätigkeit  zu  veranlassen,  und  ich  hoffe,  daß  alle  Beamten
diesen  meinen  Weisungen  in  vollem  Maße  mit  Eifer  und  Unparteilichkeit
  nachkommen  werden.  Ich  setze  dabei  voraus,  daß  sich  die  Arbeitnehmer
  von  Ausschreitungen  fernhalten,  daß  sie  sich  strenge  im  Rahmen
der  bestehenden  Gesetze  halten.  Ich  erwarte  aber  auch  von  den  Arbeitgebern,
  daß  sie  den  Beschwerden  und  Wünschen  der  Arbeitnehmer
gegenüber  Verständnis  und  Entgegenkommen  zeigen  werden.
(Sehr  gut!  bei  den  Freisinnigen.)

Ein  allgemeiner  Ausstand  würde  für  unsere  deutsche  Kohlenindustric,  die
in  unserm  wirtschaftlichen  Leben  eine  so  große  Rolle  spielt,  schwere
Nachteile  nach  sich  ziehen;  sie  würde  unsere  Konkurrenzfähigkeit  gegenüber
  dem  Auslande  beeinträchtigen,  sie  würde  den  Nationalwohlstand
schädigen.  Ebenso  wird  jeder  wahre  Freund  des  Arbeiterstandes  die
schweren  Folgen  beklagen,  welche  ein  Ausstand  zweifellos  für  die  Arbeiter
  nach  sich  ziehen  müßte.  Bei  jeder  solchen  Kraftprobe,  möge  sie
nun  von  der  einen  oder  der  anderen  Seite  angestellt  oder  provoziert
sein,  ist  in  der  Regel  im  besten  Falle  der  Erfolg  von  zweifelhafter
Dauer:  sicher  aber  der  angenblickliche  große  Schaden,  die  großen  Opfer